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DDR

Ein Hamburger macht mir als DDRler Vorwürfe

Ein Hamburger macht mir als DDRler Vorwürfe

Die Grenzen zwischen der DDR und der BRD waren gerade offen. So fuhr ich Anfang Dezember 1989 nach Hamburg zum Unternehmen „HansaTourist“.

Aufgrund eines Verhandlungstrainings, das ich für Mitarbeiter des „Deutschen Reisebüros der DDR“ 1989 in Berlin durchführte, wurde mir ein Gespräch mit dem Geschäftsführer von „hansa tourist“ vermittelt. Wir trafen uns in einem Berliner Hotel und kamen überein, daß er mich nach Hamburg zu einem Besuch seines Unternehmens einlud, um Vor Ort über eine mögliche Zusammenarbeit beim Personaltraining und ggf. zur Existenzsicherung des Unternehmens während des Zusammenbrechens der DDR zu sprechen.

  • „HansaTourist“ war eine „Gemischte Gesellschaft“ (GG). Mit Hauptsitz in Hamburg gehörte dieses Unternehmen also (auch) der DDR.  Hansa Tourist war „das linke Reisebüro“, das vor allem Reisen in die sozialistischen Länder anbot, so u.a. auch Reisen in 16 DDR-Campingplätze.
  • Das „Deutsche Reisebüro der DDR“ war das einzige landesweite Reiseunternehmen. Es hatte ein Netz von 131 Filialen über die DDR verteilt. Das DDR-Reisebüro arbeitete natürlich eng mit „Hansa-Tourist“ zusammen.

In einer Pause unseres Geschäftskontaktes ging ich in Hamburg etwas spazieren und geriet neugierig in einen großen Zeitungsladen, der für mich völlig überladen mit bunten Klatsch-Zeitungen und den verschiedensten Zeitschriften war. Ich war erschlagen von der Fülle der auf Papier gedruckten Informationen und konnte mir nicht vorstellen, daß die alle verkauft und gelesen werden können. Der schon etwas ältere Inhaber des Ladens sprach mich direkt an. Er hatte (vielleicht an meiner anderen Kleidung?) erkannt, daß ich aus der DDR komme. Er war sehr aufgewühlt und drängte mir unbedingt sein Gespräch mit seinen Vorwürfen auf (natürlich nahm er mich stellvertretend für die DDR-Bürger und meinte mich nicht persönlich). Er sagte, daß er ein alter Sozialdemokrat sei und fragte mich, ob wir Menschen in der DDR denn lebensmüde seien, so ein Land mit diesen schon erreichten sozialen Errungenschaften und der guten Gesellschafts-Vision aufzugeben und zum Klassen-Feind in den Westen überzulaufen.

Und er fragte mich weiter, ob wir denn nicht über die Jahre der DDR-Existenz begriffen hätten,

  • daß die Ausbeutung des Volkes und jedes Einzelnen im Kapitalismus wirklich stattfindet,
  • daß die Inhalte der TV-Sendungen von Carl Eduard von Schnitzler (Schwarzer Kanal) über die Bundesrepublik im Kern der Ernst der Lage seien,
  • daß es hier in Westdeutschland wirklich viele Arbeitslose gäbe und bald auch bei uns im Osten,
  • daß jetzt die westdeutschen Konzerne ihre Konkurrenz in der DDR völlig vernichten werden,
  • daß sich jetzt die Geldbesitzer aus dem Westen bald die gesamte Wirtschaft der DDR (unser Volksvermögen) einverleiben werden,
  • daß auch in West-Deutschland nicht jeder dahin reisen könne, wohin er will, denn nicht alle Lohn-Arbeitenden in der BRD könnten sich einen Urlaub leisten.

usw. usf.

Die „Frankfurter Rundschau“ beschrieb später am 21. August 1990 so treffend, was dieser Mann in Hamburg voraussah:

,,Der Tag der Vereinigung, heißt es, wird auch der Tag der Wahrheit sein. Dann schließen sich zwei noch für lange Zeit extrem unterschiedliche Gemeinwesen zusammen. Während die heutige Bundesrepublik von Tag zu Tag reicher wird, steht der Noch-DDR ein Winter bevor, der den Menschen dort den Unter­schied erst richtig klarmachen wird … Für einige Zeit werden wir ,Nord­italiener‘ Europas unseren Süden, unser Sizilien bekommen . . . Die Frage ist nur, wie lange dieser Übergang dauern wird … Ein vereinigtes Deutschland, in dem mehr als zwei Drittel im Wohlstand, die anderen aber für längere Zeit in einem Armenhaus leben, kann nicht gedeihen. Die Mauer ist weg. Wie lange bleibt die andere Mauer?“

Günter Wallraf beschreibt in seinen Bücher sehr anschaulich die menschlichen Verwerfungen und katastrophalen Existenzbedingungen im Kapitalismus der BRD:

  • Günter Wallraff – Ganz Unten
  • Günter Wallraff Undercover: Unter Null – Obdachlos durch den Winter
  • Günter Wallraff Undercover: Bei Anruf Abzocke
  • Günter Wallraff Undercover: Wo Arbeit wehtut

„Visafrei bis nach Hawaii“ – Urlaubsträume, Trends und Reiseziele in der DDR

Psychologischer Krieg gegen die Deutschen – mit Schlagern

Psychologische Kriegs-Führung gegen die Deutschen

„Wer die Konzernmedien rezipiert, sollte vorher einen Kurs in geistiger Selbstverteidigung belegt haben.“ (Noam Chomsky; Media Control: Wie uns die Medien manipulieren)

Dieser Hinweis auf die Absicht und Kraft der Manipulation der Massenmedien, gilt auch für die Schlager-Musik. Meine frühe Beschäftigung  mit der Wirkung von Schlagern war ein weiterer Aspekt, der mich im Leben zur (Sozial-)Psychologie brachte.

In unserer Familie wurden gern deutsche Schlager im Radio gehört, im Fernseher gesehen, gemeinsam gesungen oder allein (in der Badewanne) getrellert.

Mein Vater machte Ende der 1950er /Anfang der 1960er Jahre aus dem Interesse am Schlager ein interessantes  Hobby: Er nahm eines Tages west-deutsche Schlager mit einem Tonbandgerät auf, analysierte von diesen vor allem die Texte, denn er war als Journalist ein studierter Mann des Wortes. Zu Hause hörte er immer wieder mit seinem Tonbandgerät die aufgezeichnete Schlager an, notierte die Texte und machte sich Bemerkungen dazu, spulte zurück und hörte erneut genau hin (Die Schlager-Texte konnte man damals noch nicht aus dem Internet herunterladen). Daraus entstand im Verlaufe der Zeit ein Fundus für einen Vortrag, den er dann viele Abende innerhalb der URANIA hielt. Er sprach über  die „Psychologische Kriegsführung des Westens mit Hilfe der Schlager“. Er zeigte dabei mit seinen Tonbandaufnahmen im Detail auf – vor allem anhand der Texte -,  wie mit diesem Mittel gegenüber der eigenen Bevölkerung und gegenüber der DDR Meinungen und Stimmungen etabliert wurden.

Da ich auch die Schlagermusik mochte, waren diese Entschlüsselungen meines Vaters darüber, wie mit beliebter und sehr verbreiteter Musik die Menschen in West und Ost in bestimmte Richtungen mental und emotional beeinflußt werden, höchst interessant. Ich hörte der Musik und den Texten jetzt auch bewußter zu, mein Vater interpretierte dies, wir diskutierten darüber und ich lernte dabei die unglaublich verrückte Art und Weise des psychologischen Krieges gegen die deutsche Bevölkerung kennen – spezifisch für die Westdeutschen und auch gegenüber den Menschen in der DDR.

Ressourcen

Psychokrieg während des heißen und des kalten Krieges

Zehn „Prinzipien der Kriegspropaganda

Diese Prinzipien werden bis heute überall in der Kriegspropaganda gegenüber der eigenen Bevölkerung benutzt.

1. Wir wollen den Krieg nicht
2. Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung
3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel
4. Wir kämpfen für eine gute Sache
5. Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen
6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich
7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm
8. Künstler und Intellektuellen unterstützen unsere Sache
9. Unsere Mission ist heilig
10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

Ressourcen:

Bereits im Zweiten heißen Weltkrieg wurde mit neuen technischen Möglichkeiten Propaganda und Psychologische Kriegsführung zur Manipulierung feindlicher (und eigener) Soldaten und Zivilisten betrieben. Insbesondere die Engländer führten einen mentalitätsorientierten “geistigen Krieg“ gegen die Deutschen. Die deutsche Bevölkerung wurde dabei hinsichtlich politischer, sozialer, religiöser oder lokaler Zugehörigkeit analysiert und es wurden Versuche unternommen, diese Gruppen anhand ihrer vermeintlichen Schwächen  zu manipulieren –  jedoch (noch) ohne messbare Auswirkung auf den Kriegsverlauf oder eine Kriegsverkürzung. (Firas Amr: Der „Charakter“ des deutschen Feindes)

Der erste und zweite Welt-Krieg wurde als kalter Krieg nach 1945 weitergeführt. Und dabei benutzten bzw. mißbrauchten bestimmte geheime Hintergrundkräfte (vor allem CIA/USA und MI6/England) die deutsche Sprache (auch in Verbindung mit Musik wie Schlager) jahrzehntelang, um gezielte Gehirnwäsche bei den Deutschen zu betreiben. In diesem Informationskrieg wurde bis in die Gegenwart gezielte Propaganda geführt, Lüge und Täuschung und gezielte Ablenkung medial vermittelt.

  • Schlager können (und sollen) „zum Verlust von einer ausgewogenen Urteilsfähigkeit und eines komplexen Denkens“ führen, was für jedes Massenphänomen zutrifft (Hans-Jörg Koch: Das Wunschkonzert im NS-Rundfunkt, 2003, S. 340)  Die melodischen Schlager bilden mit ihren Texten bewußt nicht die Realität der Menschen in der Gesellschaft ab. Der tänzerische Charakter der Schlager wirkt sich entspannend auf den psychischen und physischen Zustand der Menschen aus.
  • Das Hauptthema der deutschen Schlager war immer „die Liebe„. „Für die Beliebtheit der unsterblichen Melodien in der Gegenwart spricht die immer währende Aktualität der Schlager, die hauptsächlich die Liebe thematisieren; inhaltlich sind sie heute genau so relevant wie früher.“ (Hans-Jörg Koch: Das Wunschkonzert im NS-Rundfunkt, 2003, S.330)
  • Aber schon während der Nazizeit konnte der Schlager neben Soldatenliedern und Marschmusik gegenüber der deutschen Bevölkerung nicht un-politsch sein.
  • Bestandteil der psychologischen Kriegsführung waren neben den Soldaten-Liedern auch die inhaltlich dem Schlager ähnlichen Marsch-Lieder wie die beiden Kompositionen „Erika“ und „Es ist so schön Soldat zu sein!“.
  • Für Josef Goebbels gab es den „optimistischen Schlager“ zur moralischen Unterhaltung der Soldaten an der Kriegsfront, wie „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ oder „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen…“
  • Die meisten damaligen deutschen Kino-Filme und Schlager dienten vordergründig der Unterhaltung, Entspannung und Ablenkung und genau damit erfüllte sie zugleich eine wichtige politische Funktion.
  • Überdies waren sie hoch politisch, indem gerade die Schlager durch ihre politische Ignoranz oder Enthaltsamkeit dem Nationalsozialmus in Deutschland mit den Weg bereiteten.
  • Und spätestens während des Krieges in fremden Ländern und bei den angloamerikanischen Terrorangriffen auf deutsche Städte und Zivilisten erfüllten Schlager Funktionen der Ablenkung und des Trostes. 
  • Dazu wurde das allgegenwärtige Massen-Medium „Rundfunk“ als Träger der politischen Propaganda von den kriegsführenden Seiten genutzt (der Nazis wie der Engländer mit  BBC-London) zur bewußten Identifikation mit der Gemeinschaft, mit der Macht und mit dem Erfolg der eigenen Nation konnte das Selbstwertgefühl der Hörer gesteigert werden.

Der west-deutsche Schlager nach dem Krieg

  • Der west-deutsche Schlager befriedigte als Unterhaltungsmusik die Bedürfnisse nach Entspannung, Feierabend und arbeitsfreien Sonntag bei den fleißig das Land neu aufbauenden Menschen.
  • Der Schlager widerspiegelte in West-Deutschland nach dem Krieg auch die gesellschaftliche Situation. Beispielsweise mit den Karnevalsschlagern „Trizonesien-Song“ (als eine Art Nationalhymne den drei West-Zonen) und „Wer soll das bezahlen?“ (auf die geringe Durchschnitts-Kaufkraft in den Zeiten der Währungsreform 1948 bezogen).
  • Im Zentrum der westdeutschen Schlager-Texte standen aber die Heimat und das Heimweh (verlorene Gebiete im Osten), verknüpft mit Seemanns-Romantik (wobei ja Deutschland im Vergleich zu England keine Seefahrernation war oder ist!) und einer mystischen Sehnsucht (nach alten Nazi-deutschen Zielen?)
  • Viele deutsche Schlager in Westdeutschland boten auch eine Ersatz-Befriedigung für die ältere Generation (Freddy Quinn)
  • Andere west-deutsche Schlager boten neue Reiseziele (als neue Möglichkeiten durch das west-deutsche Wirtschaftswunder) – besonders Italien.

MATTHIAS WEICHELT: Gottfried Benn: „Was man nennt …“ : „Das in Fernwehklängen schwelgende „Im Hafen von Adano“, 1949 von René Caroll und Lonny Kellner aufgenommen, (läutet) die Italiensehnsucht der jungen Bundesrepublik ein.“

Höre und staune: Rene Carol – Im Hafen von Adano

„Aber wofür könnten wir denn soviel 1950 ungefiltert brauchen? Was not getan hätte, wäre eine kluge oder gar intellektuelle Analyse dessen, wie solche Schlagerschablonen dazu beitragen konnten, mit lügenhaften Sehnsüchten die noch frischen Erinnerungen der 40er Jahre aufzuarbeitenJa: Wie wir eigentlich in den 50er Jahren so vieles vergessen konnten…“

Amerikanisierung der west-deutschen Schlager-Musik

  • Nach dem Zusammenbruch 1945 brachten die amerikanischen Besatzer ihre Propaganda für den „American way of life“ nach West-Deutschland – mit Kaugummi, Zigaretten, Nylonstrümpfe, Jeans sowie mit einem neuen Musik- und Tanzstil, zunächst dem Boogie-Woogie, dann mit dem Rock`n Roll. Das drückte eine deutsch-fremde Lebensweise aus, ein Lebensgefühl von (privaten) Freiheit (nach der Zeit der Nazi-Diktatur und den Zwängen der Kriegszeit). Die Amerikanisierung (West-)Deutschlands zielte auch auf den bei den Deutschen beliebten Schlager (u.a. übersetzte Cowboy- und Western-Lieder) und auf die jungen Menschen (Teenager).  
  • Dieser Amerikanisierungs-Trend brachte Schlager in West-Deutschland hervor, „deren Sprache deformiert war und die sich zumeist auf einen reinen Klangimpuls beschränkten“. (Hans-Jörg Koch: Das Wunschkonzert im NS-Rundfunkt, 2003, S. 322)
  • Die Drahtzieher begannen mit der Konfrontation der Jungen gegen die Alten in der Gesellschaft. Immer mehr bekam die Musik die Funktion des Protestes gegen die vorherrschende Autorität und (deutsche) Kultur (u.a. im Bereich Musik und Tanz). Diese Musikentwicklung verdrängte zwar noch nicht in den 1950er Jahren den melodischen deutschen Schlager mit deutschen Texten. Das begann dann in den 1960er Jahren um so heftiger mit der Beat- und Rock-Musik und schwappte etwas verzögert auch in die sozialistischen Länder über.
  • Speziell die „Vier fröhlichen Wellen“ von Radio Luxemburg und der RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor von Berlin) brachten ihre propagandistischen bzw. psychologisch-kriegerischen Botschaften gezielt auch in die DDR-Bevölkerung.

Daniele Ganser über psychologische Kriegsführung gegen die Deutschen

Psychologische Kriegsführung gegen den Unterthan. 

Die Macht der Medien: Wie Medien die Vergesslichkeit der Bevölkerung erzeugen und dann ausnutzen

Macht der Medien: Die okkulte Agenda der Musikindustrie

Ressource:

https://deutschelieder.wordpress.com/

Der Hermann war einer von uns

Der Hermann oder „Männe“ war einer von uns.

Mein strenger und zugleich geliebter Vater, Hermann Barth (unter guten Freunden „Männe“ genannt), starb nach 60 Lebensjahren 1985 – fünf Jahre vor dem Ende der DDR. Sein Tod kam mit dem mehrfachen Versagen (Zusammenbruch) seines physischen Organismus. Er erkrankte Mitte 1984 an Lungenkrebs und wurde daraufhin in einem Cottbuser Krankenhaus mit Chemotherapie behandelt. Damals mußte ich noch im Dezember 1984 massiv auftreten, um vom behandelnden Arzt meines Vaters zu erfahren, welche Krankheit mit welcher Genesungs-Aussicht mein Vater hatte. Mein Vater selbst machte diese schwierige Situation mit sich selbst aus. Er sprach nicht über den Ernst seiner Lage, ordnete noch seine persönlichen Unterlagen für den Nachlaß, wollte aber keinen seiner Nächsten mit seiner Situation belasten. Als es ihm Anfang Februar sehr schlecht ging und er schon mit dem Tode rang, verlange er nach mir, seinem Sohn. Damals lebte ich mit meiner Familie in Jena, fuhr sofort nach Senftenberg zu ihm, fand ihn zu Hause in seinem Bett in wirklich desolatem Zustand, aber er erkannte mich noch einmal, als ich seine Hand nahm und ihm sagte, das ich es bin. Er lächelte beruhigt, konnte sich aber nicht mehr verständlich artikulieren, drückte leicht meine Hand, bevor sein Bewußtsein wieder entschwand. Nur wenige Stunden später schlug sein Herz den letzten Schlag. Er hatte sich von mir verabschiedet.

Die Ärzte behaupteten als Ursache seiner Erkrankung und seines Todes das jahrelange starke Rauchen meines Vaters. Auch sein bester Freund, ein Funktionär bei der SED-Kreisleitung Senftenberg und ebenfalls starker Raucher, starb ein Jahr zuvor – ebenfalls an Lungenkrebs.

Ich behaupte, mein Vater starb deshalb viel zu früh, weil er nach seinem sehr aufopferndem und engagierten Lebenskampf für die Idee der sozialistischen Gesellschaft in der DDR tief im Inneren und für sich bitter erkannte,

  • daß zu viel dabei von Besserwissern und Revisionisten in Machtpositionen falsch gemacht wurde,
  • daß seit 1945 zuviel Verrat von Verrätern in den eigenen Reihen war,
  • daß so viele gute Kämpfer für die neue Gesellschaft von den „eigenen Leuten“ vernichtet, „in die Produktion“ geschickt, gedemütigt, gebrochen und zum Schweigen gebracht wurden,
  • daß auch seine Qualitäten des kreativen Umgangs mit dem Wort in Schrift und Rede (und sogar mit dem Bild) nicht geschätzt und genutzt wurden,
  • daß er persönlich so viel Energie, Lebenszeit und Fähigkeiten „für den Sozialismus“ erfolglos gegeben hatte, und
  • daß schließlich dieses (auch sein) gesellschaftliches Werk nicht gelingen würde – was sich fünf Jahre später bewahrheitete.

Er hatte zu viele frustrierende und  traumatische Erlebnisse in diesem System hinter sich (machtgierige und machtausübende Egomanen, Lügner und Betrüger, Dumme und Dreiste). Der Verlust seines besten Freundes und Gleichgesinnten erteilte ihm schließlich das entscheidende Trauma. Jetzt erlebte er sich verlassen und allein, verloren ohne weiteren Sinn. Diese psychischen Ursachen manifestierten seine physische Erkrankung (Krebs in den Lungen). Später studierte und erforschte ich dieses Thema Rauchen detailliert, machte Veröffentlichungen dazu, half einigen Menschen zum Rauchstopp und wurde damit sogar zum „Nichtraucher-Papst“ (Antennen Brandenburg).

Mein Vater konnte in seinen letzten Lebensjahren noch Abstand vom SED-Parteiapparat bekommen, sich um sein Hobby in seinem kleinen Garten kümmern und sich der Arbeit im Gartenverband zum Wohle der Mitglieder widmen. Und so spürte und erlebte ich in den ehrenden Stunden nach seinem Begräbnis, versammelt in dem von ihm mit aufgebauten Gartenlokal seiner Kleingartensparte „Glück auf!“, als ich im Namen unserer Familie vor den Trauergästen wertschätzende Worte über ihn sprach,  daß einige Menschen ihn sehr wohl erkannten und ihn deshalb aus tiefem Herzen würdigten und ehrten. Denn seine Bergleute (wozu auch die Braunkohlen-Kumpel zählten) sagten: Der Hermann oder „Männe“  war einer von uns.

In einem hinterlassenen Brief-Entwurf an einen seiner beiden Brüder in der BRD schrieb mein Vater Anfang 1984: „Wir können von uns hier sagen, unser Leben war schön, und ist schön. Gewiß, wir haben im Gegensatz zur BRD viele  schwere Jahre gehabt, aber wir schaffen es, wir sind über den Berg gekommen. Das zu wissen, ist wohltuend, macht stolz, zumal dann, wenn man zurückblickend auf seinen eigenen Anteil daran verweisen kann.“ 

Ja, mein Vater wollte so gern in einer besseren deutschen Republik leben und leistete dafür seinen Anteil.

Warum ich Sozial-Psychologie studierte

Auf dem Weg des Verstehens von etwas Wesentlichem für die Gestaltung des (gemeinsamen) Leben

Bei meiner Entscheidung als junger Mensch für das Studium der Psychologie interessierte mich überhaupt nicht die Therapie von Störungen des  Erlebens und Verhaltens bei einzelnen Menschen. Die psychotherapeutische Arbeit nach dem Studium war aber das Ziel eigentlich aller meiner damaligen Kommilitonen an der Uni. Ich bildete wieder einmal eine Ausnahme.

Ich wollte durch das Studium der Psychologie überhaupt verstehen (und das vielleicht mehr und besser als andere, weil ich es als Beruf wählte), wie der Mensch in der Gemeinschaft funktioniert, und wie ich dieses „geschaffene“ und mir an der Uni vermittelte Wissen beruflich nutzen kann, um der Gemeinschaft in ihrem Sein und Werden zu dienen.

  • Vor meinem Universitäts-Studiums glaubte ich auch an die Ehrwürdigkeit der klugen und weisen Professoren, die an einer Universität die Welt erforschten und „neues Wissen schufen“, das sie dann den unwissenden Studenten. Im Westen wurden die Akademiker auch an der Zahl von Veröffentlichungen gemessen („je mehr, desto weiser!“) Da wurden Namen von Wissenschaftlern voller Bewunderung und Hochachtung genannt.
  • Während des Studiums staunte ich noch über die Größe und Erhabenheit der Professoren, deren spezifische Fachsprache ich nicht oder  nur langsam verstand. Ich erinnere mich an das erste Studienjahr 1970 Vorlesungen in „Allgemeiner Psychologie“ bei Prof. Hand Hiebsch. Wir frischen Studenten lauschten ehrfurchtsvoll den Worten des Herren Professor, aber wir verstanden nichts, wußten auch nichts zu notieren (ein Lehrbuch gab es nicht), hatten keine Ahnung, wie wir die Prüfungen bestehen sollten. Doch mysteriöser Weise begannen wir irgendwann nach Monaten den Sinn der hieroglyphischen Vorlesungs-Texte zu begreifen, konnten Zusammenhänge erfassen und auf bestimmte Themen anwenden und sogar wiedergeben und eine Prüfung gut bestehen. Einige Studenten schafften diese (absichtliche?) es auch nicht, diese Hürde  der „Schwierigkeit von Wissenschaft“ zu meistern, und gaben das Studium auf.
  • Durch das Studium und meine persönlichen Erfahrung mit der Psychologie und den Psychologen bekam ich Achtung und Ehrfurcht vor den historisch außerordentlichen Leistungen der Deutschen auf dem Gebiet der Psychologie. So gilt Wilhelm Maximilian Wundt als deutscher Physiologe, Psychologe und Philosoph als Begründer der Psychologie als eigenständiger Wissenschaft und als Mitbegründer der Völkerpsychologie. Er gründete 1879 an der Universität Leipzig das erste Institut für experimentelle Psychologie mit einem systematischen Forschungsprogramm. In historischer und fachlicher Würdigung von Wilhelm Wundt wurde 1980 in Leipzig der „XXII. Weltkongress für Psychologie“ realisiert und von DDR-Psychologen organisiert. Viele deutsche Psychologen erwarben mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit Weltruhm und sind auch im Alltagsbewußtsein der Menschen bekannt: Alfred Adler, Hans Bender, Charlotte Bühler, Karl Duncker, Hermann Ebbinghaus,  Hans Jürgen Eysenck, Gustav Theodor Fechner, Leon Festinger, Erich Fromm, Gustav Theodor Fechner,  Siegmund Freud, Heinz Heckhausen, Carl Gustav Jung, Gustav Kafka, Wolfgang Köhler, Hans-Joachim Kornadt, Ernst Kretschmer, Oswald Külpe, Kurt Lewin, Philipp Lersch, Konrad Lorenz, Jacob Levy Moreno, Wolfgang Metzger, Fritz Perls, Jean Piaget,  Carl Stumpf, Reinhard Tausch, Eberhard Ulich, Max Wertheimer, Wilhelm Wundt

Das ist eine Liste „großer“ DDR-Psychologen:

  1. Kurt Gottschaldt (Er gilt als Nestor der frühen DDR-Psychologie und als einer der wichtigsten Vertreter der zweiten Generation der Schule der Gestaltpsychologie bzw. der Gestalttheorie in Deutschland (zusammen mit Wolfgang Metzger und Edwin Rausch).
  2. Jürgen Guthke :Psychologische Diagnostik
  3. Hans Hiebsch (10.8.1922 –  6.3.1990) Persönlichkeitspsychologie, Sozialpsychologie
  4. Winfried Hacker : Arbeits- und Ingenieurpsychologie
  5. Johannes Helm  (10. März 1927 – ): Klinische Psychologie
  6. Friedhart Klix (13. Oktober 1927 – 22. September 2004) Kognitionspsychologie, Künstliche Intelligenz, Ära Klix (1962-1990)
  7. Adolf Kossakowski (11.5.1928 – ): Pädagogische Psychologie, Vorsitzender der Gesellschaft für Psychologie der DDR
  8. Joachim Lompscher (07.11.1932 – 05.02.2005) Pädagogische Psychologie
  9. Hans-Dieter Rösler  (1927 – 2018): Klinische Psychologie
  10. Uwe Schaarschmidt (  ) Psychologische Diagnostik, Gründer und Leiter des „Psychodiagnostischen Zentrums“ (PdZ), dem einzigen Testverlag der DDR
  11. Hans-Dieter Schmidt  (1927 – 2007): Entwicklungspsychologie
  12. Hans Szewczyk  (1923 – 1994): Medizinischen Psychologie,  Forensische Psychologie
  13. Lothar Sprung (1934 – 2017)  Psychologische Methodik
  14. Werner Straub  (1902 – 1983) Arbeits- und Ingenieurpsychologie
  15. Manfred Vorwerg (03.04.1933 – 26.06.1989). Sozialpsychologie, Persönlichkeitspsychologie

 

Nach dem Studium durfte ich weiter studieren und wurde in den Kreis der „Wissenschaftler“ aufgenommen. Mehr uns mehr durchschaute ich das „Gesellschafts-Spiel“, denn diese Menschen kochten nur mit Wasser und oft mit sehr trüben. Ich begann diese Gilde statt Akademiker besser „Akademixer“ zu nennen.

Für die Gesellschaft

(1) Zunächst interessierte mich das Thema der „Gesellschaft“, die vernetzten und hierarchischen sozialen Verhältnisse von Menschen, „die als sozial Handelnde miteinander verknüpft leben und direkt oder indirekt sozial interagieren“. (Wikipedia)

Mein persönliches Anliegen und mein Motiv für das Studium war, in der DDR zur Gestaltung dieser Gesellschaft auf dem Weg zu einer sozialistischen Ordnung beizutragen.

  • Deshalb regte mich ein Lehrer an der Berufsschule in Lauchhammer an, mal eine Vorlesung in Potsdam zum Thema „Soziologie“ zu besuchen. Das tat ich dann auch, aber zumindest sprach mich der Inhalt der Vorlesung und/oder der Dozent nicht wirklich an.  Meine Recherchen ergaben zudem, daß ein Soziologie-Studium in der DDR nur alle zwei Jahre (an der Karl-Marx-Universität in Leipzig) und als Spezialisierung nach dem Studium des Marxismus-Leninismus bzw. des Historischen Materialismus durchgeführt wurde. Ich war zwar an  Theorie interessiert, aber das war mir doch zu abstrakt und mir auch nicht, daß ich vor dem Studium zur Zeitüberbrückung meinen Wehrdienst bei der NVA hätte leisten sollen. Ich wollte geradlinig nach meinem Abitur zur Uni.
  • Interessant ist jedoch, daß ich später eine Diplomarbeit an der FSU Jena zum Thema der Wissenschaftshistorischen Abgrenzung von Sozialpsychologie und Soziologie zur genaueren Bestimmung des Gegenstandes der „marxistisch-leninistischen Sozialpsychologie“ schrieb.Durch die erfolgreiche Verteidigung dieser Arbeit wurde ich immerhin „Diplom-Psychologe“.

Nicht in hohen Positionen

(2) Weiterhin spürte oder wußte ich aber auch genau, daß ich nicht in der oberen Führung der Gesellschaft wirken wollte

  • als Parteiarbeiter in der Arbeiterpartei „Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“,
  • als Politiker im sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern,
  • als Diplomat in den Botschaften des DDR-Staates im Ausland,
  • als Offizier in den militärischen Kräfte der Diktatur der Arbeiterklasse (Armee, Grenzschutz, Polizei, innere oder äußere Staatssicherheit, Kampfgruppe) 

Nein, ich wollte nicht ganz oben und vor großen Menschengruppen oder Gesellschaftsbereichen stehen. Das paßte nicht zu mir, entsprach nicht meinen Fähigkeiten. Eher wollte ich in kleineren Gruppen in bestimmten Bereichen der Gesellschaft wirken.

  • So hätte meine politische Führungs-Entwicklung über die FDJ als Sekretär der Jugendorganisation der FSU Jena beginnen können. Ich entschied mich jedoch für die Leitung der neu gegründeten Gruppe Betriebspsychologie im Kombinat VEB Carl Zeiss Jena.
  • So hätte meine militärische Führungs-Entwicklung über die Kampfgruppe im Bataillon bei Carl Zeiss beginnen können. Ich bekam auch schon den Parteiauftrag für die Funktionsübernahme als Polit-Stellvertreter des Kommandeures des Kampfgruppen-Bataillions. Aber, ich ging weg von Carl Zeiss Jena und zog nach Brandenburg und übernahm dort eine neu gegründete Abteilung Verkaufstraining in der Betriebsakademie des MALF der DDR.

In der Wirtschaft

(3) Zudem verstand und glaubte ich damals, daß die Gesellschaft wesentlich durch die Verhältnisse der Produktion von Gütern und Dienstleistungen, also durch die Wirtschaft geprägt ist.

Deshalb wollte ich nach dem Psychologie-Studium möglichst in der Wirtschaft tätig sein. Allerdings gab es dafür während des Psychologiestudiums keine Anregungen oder gar Beispiele aus der sozialistischen Wirtschaftspraxis. Am Nächsten war da noch die Arbeits- und Ingenieurpsychologie, die in Dresden gelehrt und geforscht wurde. Im Westen dienten Organisations- oder Betriebs-Psychologen in der Realwirtschaft den Unternehmern bei der Profitmaximierung.  Aber in der sozialistischen DDR gab es keine Vorstellung von der psychologischen Arbeit in der materiellen Produktion. Das war also völliges Neuland in der DDR und deshalb interessierte es mich.

  • Aufgrund des Rechtes auf Arbeit in der DDR mußte auch mein Ausbildungsbetrieb, das „Braunkohlenkombinat Lauchhammer“, meinen Studienplatz und die spätere Arbeitsstelle im Betrieb nach absolviertem Studium organisieren. Die allermeisten Mitstreiter in meiner Klasse der Ausbildung als Elektromonteur-Facharbeiter mit Abitur gingen in technische Studienrichtungen, die dann später auch in der Braunkohlenförderung und -verarbeitung gebraucht und eingesetzt wurden. Aber ich war wieder eine Ausnahme und wollte etwas Nicht-Technisches studieren. Auch das wurde unterstützt. Mein Ausbildungs-Betrieb delegierte mich zum Psychologie-Studium nach Jena, wußte damals jedoch noch nicht, was er mit mir später hätten anfangen sollen.
  • Es gab in der Vorbereitung meiner Entscheidung für die Studienrichtung tatsächlich noch eine Inspirationen: Ein Ökonomie-Studium an der „Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst“.  Aber mit diesem Studium der Volkswirtschaft oder Betriebswirtschaft wäre ich in einer leitenden Funktion eines Betriebes oder Kombinates „gelandet“.
  • Interessant ist auch hierbei, daß ich dann später im VEB Kombinat Carl-Zeiss Jena als Hauptabteilungsleiter für Rationalisierung in der Kombinatsfachdirektion Technologie und Rationalisierung Mitglied der erweiterten Kombinatsleitung wurde und dabei verantwortlich für die Rationalisierung in 25 Betrieben war.  Immerhin war das Kombinat Carl Zeiss Jena mit über 40.000 Mitarbeitern eines der größten Kombinate der DDR und von der Bedeutung das „Flaggschiff“ der DDR-Volkswirtschaft.

Sozial-Psychologie in der Sektion „Ökonomische Kybernetik“

Es ergab sich für mich das Studium des Verhaltens und Erlebens des Menschen und das Praktizieren der Erkenntnisse in der Wirtschaft der Gesellschaft.

So bewarb ich mich an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena mit einem sehr guten Abitur (Zensurendurchschnitt von 1,2)  zum Psychologie-Studium. Ich wollte Sozial-Psychologie studieren und das ging in der DDR nur in Jena.

Aber, zunächst bekam ich sogar auf meine Bewerbung eine Absage! Es wurden nur 40 Studenten pro Studienjahr angenommen. Ich war schockiert, da ich doch ein sehr gutes Abitur-Zeugnis vorlegte. Aber, offenbar waren andere Studienbewerber noch besser! Schließlich bekam ich aber doch noch einen Studienplatz, weil unter den Bewerbern zu wenig Männer waren. Das war etwas Neues in der DDR: Ich wurde gefördert, weil ich ein Mann war! Ich war also ein „Quoten-Mann“! Meine Immatrikulation an der Friedrich-Schiller-Universität Jena erfolgte 1970 an der Sektion „Ökonomische Kybernetik“, Fachrichtung Psychologie. Das war richtig und zu meiner Wirtschaftsorientierung der Psychologie passend.

Georg Klaus (1912-1974), der die Hauptrolle bei der Einführung der Kybernetik in der DDR spielte, etablierte sich akademisch nach dem Krieg an der FSU Jena und prägt auch den philosophischen Geist der Uni, sogar noch während meines Wirkens dort.  „Höchstwahrscheinlich ist, daß die Kybernetik, so wie sie von Klaus eingeführt worden war, schließlich zu mächtig geworden war, insbesondere bezüglich der Legitimierung einiger geisteswissenschaftlicher Bereiche wie der in der DDR noch wenig etablierten Psychologie. So hatte die Kybernetik nach einer relativ wissenschaftlichen Auffassung ermöglicht, in der Psychologie (oder eher in der “ marxistischen Psychologie „) Begriffe wie die der Arbeitsproduktivität zu definieren.“ (Jérôme Segal: Die Einführung der Kybernetik in der DDR)

1960 wurde an der FSU Jena unter Prof. Friedhart Klix (1927- 2004)  das Institut für Psychologie neu gegründet und seit 1961 konnte man den Diplomstudiengang Psychologie absolvieren. Klix prägte die Psychologie in Lehre und Forschung in enger Bindung an Kybernetik und Mathematik sowie auf einer strikt experimentellen Grundlage. Friedhard Klix war von Georg Klaus und der Kybernetik inspiriert. Er richtete Ende der 1960er Jahre im Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse (ZKI) in Berlin eine Grundlagenabteilung „Kybernetik“ ein und leitete diese, die später als Bereich „Künstliche Intelligenz“ weitergeführt wurde. Klix wird später weltweit einer der maßgeblichen Begründer der „Künstlichen Intelligenz“ (Sein Hauptwerk bereits 1971 „Information und Verhalten“).

Prof.  Hans Hiebsch (1922-1990) baute das Psychologie-Institut zum Zentrum der Sozialpsychologie in der DDR aus. Hans Hiebsch etablierte zusammen mit Manfred Vorwerg eine Konzeption von (marxistisch-leninistischer) Sozialpsychologie, deren theoretisch-philosophische Grundlagen im dialektischen und historischen Materialismus bestand („Einführung in die marxistische Sozialpsychologie“), die aber in die internationalen Entwicklungen des Faches integriert war. 1971 wurde nach einer Hochschulreform die „Ökonomische Kybernetik “ liquidiert und die „Sektion Psychologie“ an der FSU gegründet.

 

Stichwort „Sozialpsychologie“ in der DDR

Teildisziplin der Psychologie zur Untersuchung der Gesetzmäßigkeiten, denen die über die psychische Tätigkeit als Widerspiegelungsfunktion vermittelte Regulation des sozialen Verhaltens unterliegt. In der sozialistischen Gesellschaft der DDR hat die S. ein dreifaches Ziel:

  1. durch Optimierung der Beziehungen zwischen Leitern und Kollektiven bzw. innerhalb der Kollektive die Arbeitsproduktivität zu erhöhen und die Persönlichkeitsentwicklung der Werktätigen zu verbessern,
  2. durch Optimierung des Informationsaustauschs bei heuristischen Prozessen die Effektivität der geistigen Kooperation in Forschungs-, Erziehungs- und Leitungskollektiven zu erhöhen,
  3. durch Optimierung der Auswahl und Ausbildung von Leitern, speziell ihrer Verhaltens- und Einstellungsentwicklung, die Effektivität von Leitungskadern zu erhöhen.

Als Kriterium für die Optimierung gelten die kooperativen Leistungsvorteile von Gruppen, die nach MARX in zwei Erscheinungsformen auftreten:

  1. als Erhöhung der individuellen Produktivität im Sinne der Leistungssteigerung im Wetteifern,
  2. als kollektive Produktivkraft oder „Massenkraft“, die als eine zusätzliche und durchaus neuartige Leistungs- und damit Lebenspotenz des Menschen in der Kooperation entsteht.

(Wörterbuch der Psychologie,  VEB Bibliograpisches Institut Leipzig, 1976, S. 495)

Einsatzgebiete von Sozialpsychologen in der DDR

„Ihr Einsatz erfolgt

  • in interdisziplinären Forschungskollektiven,
  • in Stabsgruppen und Direktoraten von Kombinaten und Betrieben,
  • in Rechtspflegeeinrichtungen,
  • in bewaffneten Organen,
  • im Gesundheitswesen und
  • in Einrichtungen der Massenkommunikation.“

(Wörterbuch der Psychologie,  VEB Bibliograpisches Institut Leipzig, 1976, S. 497)

 

Schlager in der DDR

Schlager in der DDR

Ich bin in der DDR aufgewachsen und geprägt durch den deutschen bzw. DDR-Schlager und viele alte deutsche Volkslieder. „Schlager“ waren in der DDR sehr beliebt, wurden gern im Radio und in Fernsehsendungen gehört und auch selbst gesungen.
Auch ich habe von Kind auf an in meiner Familie viel gesungen – vor allem durch meine Mutter. Gemeinsam sangen wir bei der Küchenarbeit, so daß ich als Kind, auch allein durch die Fröhlichkeit des Singens, gern dabei war und half. Wir sangen Volkslieder auch beim Wandern in der Natur („Das Wandern ist des Müllers Lust“) und Schlager zu Hause oder bei geselligen Treffen mit Freunden (z.B. „Mama“ von Bärbel Wachholz oder „Über das weite Meer“ von Fred Frohberg).

  • Inhaltlich ging es (und geht es immer noch) im Schlager meist um die Liebe zwischen den Menschen.
  • Aber auch musikalisch spricht der „klassische“ deutsche Schlager das Herzchakra an, das Zentrum für Liebe und Weisheit der Menschen. Damals war die Schlagerbranche noch überschaubar, weshalb wir die Sängerinnen und Sänger und ihre Lieder samt deutscher Texte kannten.
  • In der DDR wurde generell nur Deutsch beim Schlager gesungen und auch im westdeutschen Schlager wurde bis Mitte 1960er Jahr noch Deutsch gesungen, sogar amerikanische Titel wurden mit übersetzten deutschen Texten interpretiert.

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In der Deutsche Demokratische Republik spielten auch die landeseigenen Schlager eine große Rolle im Alltagsleben.

  • Dabei ging es in der DDR nicht um Verkaufszahlen von Platten der Künstler oder um Einschaltquoten von Fernsehsendungen mit Schlagern.
  • Die Idee und Zielrichtung war gute Unterhaltung, aber auch Stiftung von DDR-Identität durch „unsere“ Schlager.
  • Von den 9.000 „Unterhaltungskünstler“  der DDR waren bestimmt die meisten im Schlagerbereich tätig. Unsere beliebtesten Schlager-Stars waren Bärbel Wachholz,  Günter Geissler, Helga Brauer,  Jacob Sisters, Fred Frohberg, Dagmar Frederic & Peter Wieland,  Andreas Holm, Michael Hansen, Monika Hauff & Klaus-Dieter Henkler, Frank Schöbel, Chris Doerk, Wolfgang Ziegler, Brigitte Ahrens, Peter Albert, Monika Herz, Ute Freudenberg, Eberhard Hertel, Achim Mentzel.

Es gab verschiedene Schlagersendungen im Radio und auch im Fernsehen der DDR:

  • „Die Schlagerrevue“ mit Heinz Quermann (Radio DDR I)

Die Schlagerrevue war eine der längsten Sendereihen in der Rundfunkgeschichte: Vom 11.9.1953 bis zum 26.3.1990 nach 1731 Ausgaben. Über alle Jahre fungierte Heinz Quermann (Selbstbenennung „Heinz der Quermann“) als Moderator. Er zählt für mich zu den bekanntesten (und beliebtesten?) DDR-Prominenten. Die Erstausstrahlung war immer montags 20.05 Uhr  und dauerte eine Stunde. Im Verlaufe der Woche gab es vormittags (für die Schichtarbeiter) eine Wiederholung.

  • Die wohl beliebteste DDR-Fernsehsendung war „Ein Kessel Buntes“ (seit 1972), die immer auch die aktuellen Schlager präsentierte. Sie wurde sechs Mal jährlich am Samstagabend, meist aus dem Friedrich-Stadt.Palast in Berlin ausgestrahlt.  Im inzwischen abgerissenen „Palast der Republik“ der DDR moderierte Helga Hahnemann am 23. September 1989 die 100. Sendung
  • Ein jährlicher künstlerischer Höhepunkt war in der DDR auch die Fernsehsendung „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ am Vormittag des ersten Weihnachts-Feiertages (von 1957 bis 1991). Sie wurde immer moderiert von  Margot Ebert (außer 1984) und Heinz Quermann.
  • Das „Schlagerstudio“ (von 1970 bis 1982) war im DDR-Fernsehen ein Gegenstück zur west-deutschen ZDF-Hitparade. Hier wählten die Zuschauer ihre besten Titel unter Moderation von Petra Kusch-Lück und Chris Wallasch.

Es gab verschiedene gutklassige Schlagersendungen mit Wettbewerben:

  • der „Schlagerwettbewerb der DDR
  • das „Internationale Schlagerfestival Dresden“
  • das „Ostseeländer Schlagerfestival“ in Rostock.

Die Talentsuche für den Schlager wurde in der DDR ebenfalls großgeschrieben.

Vor all Heinz Quermann suchte und förderte viele talentierte DDR-Künstler  – u.a. mit der Fernsehsendung „Herzklopfen kostenlos“. Viele spätere Schlagerstars nahmen hier teil: u.a. Frank Schöbel, Brigitte Ahrens, Tanja Berg, Chris Doerk, Michael Hansen.

Frank Schöbel

„Der Franky“ ist bis heute aktiv und mein beliebtester DDR-Schlagersänger.  Er war vielleicht auch der erfolgreichsten Schlagersänger der DDR.
Der sympathische und charismatische Sänger aus Leipzig war beim DDR-Publikum überall sehr beliebt, und später auch im Westen. Mit über 500 Liedern zählt Frank Schöbel sicher zu den bedeutendsten DDR-Schlagersängern bzw. zu den wichtigsten „deutschen Schlagersängern aller Zeiten“ Einer meiner Lieblings-Hits von Frank Schöbel ist „Wie ein Stern“.
Er ersang nationale und auch internationale Preise.  Gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Chris Doerk gewann er zweimal den „Schlagerwettbewerb der DDR. Und die legendäre Langspielplatte „Weihnachten in Familie“ (gemeinsam mit Aurora Lakasa und Töchtern) ist Amigas meistverkaufte LP.
Frank Schöbel ist ein absolutes Multitalent. Er ist als erfolgreicher Unterhaltungskünstler nicht nur Sänger. Er ist auch als Texter, Komponist, Produzent, Schauspieler und Drehbuchautor.

Ein Kessel Buntes auf 3 DVD

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Ausschnitte aus Unterhaltungssendungen im DDR-Fernsehen, u.a. aus ‚ Herzklopfen kostenlos‘, ‚Da lacht der Bär‘, ‚Mit Lutz und Liebe‘, ‚Schlager auf Schlager‘ und ‚Glück muss man haben‘ sowie Platzierungen in der ‚Schlagerrevue‘ mit Heinz Quermann (gilt als dienstälteste Hitparade der Welt 1953 – 1990)

1. Bärbel Wachholz – Mama 1965
2. Günter Geissler – Die Primaballerina meiner Träume 1963
3. Helga Brauer – Vergiss nie die Zeit 1963
4. Jacob Sisters – Sing sing, sing sing 1968
5. Jacob Sisters – Hausfrauen-Rock 1984
6. Fred Frohberg – Über das weite Meer 1963
7. Fred Frohberg – Einer wird bei dir bleiben 1975
8. Fred Frohberg – Sterne hoch am Himmel 1988
9. Peter Wieland – Seemann 1967
10. Dagmar Frederic & Peter Wieland – Wie es einst begann 1983
11. Peter Wieland & Heinz Quermann – Ein Freund, ein guter Freund 1996
12. Andreas Holm – Ich geb ein Fest 1969
13. Andreas Holm – Siebenmal Morgenrot, siebenmal Abendrot 1984
14. Michael Hansen – Wer hat sie gesehen 1969
15. Michael Hansen & die Nancies – Wir fahr’n durch das Land 1975
16. Michael Hansen – Yia Sas, Malia 1996
17. Reiner Süss – Da liegt Musike drin 1980
18. Jochen Petersdorf – Rotkäppchen & Der Wolf und die sieben Geisslein
19. Dagmar Frederic & Kindertanzgruppe Gera – Tango
20. Jirí Korn – Du bist zauberhaft, eine Zauberin 1977
21. Marianne Kiefer, Willi Scholze & Hans-Joachim Preil – Romulus und Remus 1981
22. Peter Guntermann – O wie so trügerisch sind Weiberherzen
23. Monika Hauff & Klaus-Dieter Henkler – Das wünschen wir zum Weihnachtsfest
24. Frank Schöbel – Lass mich gehen 1969
25. Frank Schöbel – Keine Zeit 1975
26. Frank Schöbel – Mit mir könn’ses ja machen 1988
27. Chris Doerk – Zeit unserer Liebe (Summertime) 1963
28. Chris Doerk – Häng‘ den Mond in die Bäume 1969
29. Chris Doerk – Das wird ja immer schöner 1984
30. Wolfgang Ziegler – Vergiss es niemals, was einmal war 1967
31. Wolfgang Ziegler (Band Wir) – Mädchenträumerei 1983
32. Wolfgang Ziegler – Verdammt 1996
33. Peter Albert – Dreh dich nicht mehr um 1975
34. Peter Albert – Bis zum Horizont 1996
35. Monika Herz – So ist unser Leben 1996
36. Frank Schöbel – Gold in deinen Augen 1996
37. Fips Fleischer – Pinguin-Mambo 1963 & 1986
38. Die vier Brummers – Das Lied vom Rauchen Da lacht der Bär 1963
39. Onkel Stanislaus & Seine Jazz-Opas – Ein Pärchen Von damals 1975
40. Rolf Herricht – Ich bin auf den Hund gekommen 1980
41. Frank Schöbel & Fred Frohberg – Links von mir, rechts von mir, Vom Nordpol zum Südpol & Man kann sich dran gewöhnen1984
42. Heinz Quermann – Mit 67 Jahren 1988
43. Günter Gollasch & Heinz Quermann – Herzilein 1990

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Medley DDR Schlager 1963 -1969

16 Schlagerjuwelen der DDR der 60er, 70er & 80er Jahre 1964 – 1988

Sex-Revolution in der DDR

Sex-Revolution in der DDR

Als Pubertierender verbrachte ich im Sommer ein paar Tage in Rostock bei und mit einem Großcousin, der dort eine Wohnung hatte. Er war ein paar Jahre älter als ich und führte mich in die „Mädchenwelt“ ein. Es war ein herrliches warmes Sonnenwetter, so daß wir nach Markgrafenheide an den FKK-Strand fuhren. Das war für mich beim ersten Mal an einem FKK schon ein erregendes Erlebnis, aber als wir dort ankamen und uns wie die anderen auszogen und umsahen, waren alle (und war alles) entspannt und gelassen. Fremde junge Frauen und Männer spielten nackt gemeinsam im Sand des Strandes Volleyball (Neudeutsch: Beachvolleyball). Ich reihte mich in die Mannschaft ein und spielte mit.

Zwei FKK-Regeln lauten: „1. Angaffen ist tabu. 2. Sex oder Fummeln ist am FKK-Strand nicht erlaubt.“ Und so war dieses Ball-Spiel am sonnigen Strand auch für alle Beteiligten völlig natürlich, angenehm frei, ohne Gaffen auf wippende Bälle (Brüste) oder Anmachen – keine Erotik. Ich war sportlich dabei und so ging es stundenlang. Wir wechselten mal die Zusammensetzung der Mannschaften, und dieses Spiel machte uns allen einfach viel Spaß. Ich merkte leider nicht, wie ich mit der Zeit einen heftigen Sonnenbrand bekam. Aber jemand bemerkte es dann: Ich würde bald wie ein Indianer so rot aussehen. Schnell wurde entschieden, das Spiel zu unterbrechen und mich in den Schatten zu bringen. Aber da war kein Schatten, nur breiter weißer Strand. So bastelten meine Mitspieler schnell für mich einen kleinen sonnengeschützten Platz aus Badetüchern und Stöcken von irgendwoher. Eine der jungen Volleyballerinnen kam mit Sonnenöl und rieb mir damit den Rücken und die Arme und auch den geröteten verlängerten Rücken ein, nicht ohne mein Aufschreien und Stöhnen, dann wieder befreiendes Lachen, weil feiner Strand-Sand zwischen das Öl kam. Das Öl-Sand-Gemisch schmirgelte wie Sandpapier auf meiner empfindlichen Haut und das tat furchtbar weh. „Bist Du ein Kerl!? Dann hab` Dich nicht so!“ lautete der Befehl der „Strand-Krankenschwester“. Ich riß mich zusammen. denn ich wollte doch ein Mann sein. Und ich war dankbar für ihre („lebensrettende“) Hilfe.

Später am Abend trafen wir uns mit einem Teil der Strand-Volleyballer in einem Tanzlokal in Rostock wieder – auch die Frau mit dem Sonnenöl war dabei.  Jetzt sahen alle völlig anders aus und dort war Reden und Trinken, viel Lachen und Flirten, eng Tanzen und sexuelles Anmachen angesagt. Ich orientierte mich an meinem schon erfahrenen Großcousin, denn ich war der Jüngste, tat aber so, als wäre ich älter. Es wurde in dieser Nacht meine erste sexuelle Erfahrungen mit einer Frau … anfangs tat es noch weh, wegen meines Sonnenbrandes, aber dann habe ich nichts mehr gemerkt. Es war schön!

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Sexualität wurde offenbar deutlich mehr in der DDR gelebt wie im (katholisch) prüden Westen. Vorehelicher Geschlechtsverkehr wurde (vor allem unter Lehrlingen und Studenten) nicht nur toleriert, sondern gelebt. Auch Fremdgehen bzw. Fremdficken war verbreitet. Ob bei Diskos oder Tanzabenden, ob bei Betriebsfesten oder in der Nachbarschaft, ob bei/nach der Arbeit, in Lehrlings- oder Studentenwohnheimen, im Urlaub oder während der Kur. Auch Gruppensex oder Sexorgien fanden hinter verschlossenen Türen bei irgend jemanden zu Hause statt.

Es gab an der Ostsee und im Inland viele FKK-Strände (oder „offene“ Strände),  Nackt-Campingplätze und auch Sonnenbäder, die selbstverständlich rege genutzt wurden. Auch heute noch liegen die meisten offiziellen FKK-Strände und FKK-Seen im Ost-Teil Deutschlands.

Die DDR-Mädchen und Frauen hatten keine beruflichen Zukunftsängste. Der DDR-Staat förderte Kinder und Familien, auch alleinstehende Frauen mit Kindern. Es gab für die Frauen die „Pille“ (von Jenapharm), HIV war unbekannt. Bei „Verkehrsunfällen“ wurde vom Staat für die Kinder gesorgt, auch eine Abtreibung war möglich. Das förderte ein starkes Selbstbewusstsein bei den DDR-Frauen. „Zu DDR-Zeiten war der Campus voller Kinderwagen, 40 Prozent der Studentinnen hatten Kinder.“  (Kurt Starke)

Die DDR hatte sogar einen „Sex-Papst des Ostens“, Professor Kurt Starke, dem Direkter des Zentralinstituts für Jugendforschung, den ich persönlich kennenlernte. Er will in seinen Forschungen herausgefunden haben, daß es auch in der DDR eine „Sexuelle Revolution“ in den 1970er Jahren gab.  Im West verlief diese Enttabuisierung  laut und lärmend, in der DDR dagegen „still, aber nicht weniger tiefgründig“. (Kurt Starke)

Aber, es brauchte in der DDR, wie in vielen westlichen Ländern keine „zweite Welle der Frauenbewegung“ im Sinne der sexuellen „freien Liebe“ bzw. der offenen Ehe geben, die aus Amerika nach Europa kam.  Das Buch von Nena O’Neill & George O’Neill: Die offene Ehe (1975) wurde zwar nicht in der DDR verlegt, war aber dennoch bekannt, wurde (unter den Intellektuellen) breit diskutiert, aber in der allgemeinen Bevölkerung einfach gelebt.

Allerdings wurde diese praktizierte Sexualität nicht so öffentlich zur Schau gestellt. Das hätte nicht der „sozialistischen Moral“ entsprochen. Mancher sozialistische Leiter, der SED-Mitglied war, bekam noch bis Mitte der 1970er Jahre wegen schlechter Vorbildwirkung durch „Fremdgehen“ eine Parteistrafe oder wurde sogar von seiner Funktion abgesetzt.

Sex-Vergleich zwischen DDR und BRD:

  • „Am frühesten hatten die Ost-Frauen, insbesondere die Studentinnen, Sex, dann die Ost-Jungen, dann mit einigem Abstand die West-Frauen und ganz zum Schluss die West-Jungen.“ (Kurt Starke)
  • „Diese gesamte heutige Outing-Kultur, dieses ständige Veröffentlichen von Intimem, das war der DDR völlig fremd.“ (Kurt Starke)
  • „Die Frauen im Osten hatten doppelt so viele Orgasmen wie jene im Westen.“ (US-Forscherin Kristen Ghodsee: «Warum Frauen unter dem Sozialismus den besseren Sex hatten»)
  • Frauen hatten in der DDR „sehr viel weniger Stress, obwohl oder gerade weil sie meist einer Beschäftigung nachgingen: Es gab viel umfassendere Einrichtungen, um die Kinder zu versorgen, wie zum Beispiel Kindertagesstätten“ (Kristen Ghodsee)
  • Ein Westmann artikuliert seine internationalen Erfahrungen im Internet so: „Die Ossi-Weiber sind die geilsten Nutten, die ich je gefickt habe, da kommt keine andere Nation ran.“

Prostitution war mit dem Inkrafttreten des Strafgesetzbuches (StGB) der DDR ab 1968 illegal und wurde daraufhin nur noch im Verborgenen praktiziert. In den modernsten Hotels in Ost-Berlin und in anderen Großstädten wie Leipzig (zur Leipziger Messe) waren jedoch auch hochkarätige „Sexarbeiterinnen“ tätig. Sie waren vor allem für westliche Besucher aktiv und einige wurden zu Spionagezwecken eingesetzt.

Prostitution ist in der BRD legal.  Ebenso legal sind in der BRD „andere Aspekte der Sexindustrie, einschließlich Bordelle , Werbung und Stellenangebote durch HR-Unternehmen. Full-Service-Sexarbeit ist weit verbreitet und wird von der Bundesregierung geregelt , die darauf Steuern erhebt. 2016 verabschiedete die Regierung ein neues Gesetz, das Prostituiertenschutzgesetz , um die rechtliche Situation von Sexarbeiterinnen zu verbessern.“ (https://wikimili.com/en/Prostitution_in_Germany)

Sex in der DDR: Selbstverständlich und im besten Sinne alltäglich

INTERVIEW ZU SEX IN DER DDR„Guter Sex ist die ultimative Kritik am Konsum“

Es zogen auch Leute in die DDR

„Geht doch nach drüben!“

Systemkritiker in der BRD bekamen oft den Satz zu hören: „Geht doch nach drüben!“  Laut Spiegel sollen zirka 500.000 Menschen allein von West-Deutschland in die DDR übergesiedelt sein. Die Tausenden Menschen hatten für ihre Zuwanderung aus dem Westen in die DDR verschiedene Gründe:

  • Flucht als Kommunisten oder Sozialisten/Sozialdemokraten aus ihren Ländern wegen politischer Verfolgung
  • Entgehen einer drohenden Strafverfolgung
  • Mithilfe am Aufbau des Sozialismus
  • Rückkehrer, die vor 1961 die DDR verließen
  • Familiäre Gründe

Die DDR zeigte gegenüber den Übersiedlern vor allem aus der BRD eher Misstrauen und Skepsis, auch aus Motiven der Spionageabwehr. Daher mußten in den Jahren zwischen 1961 und 1989 alle Zuwanderer zunächst in sogenannte Aufnahmeheime, die „eine Mischung aus Internierungslager und sozialistischem Internat“ waren.

Auch spätere Prominente kamen in die DDR

Hier einige prominent gewordene DDR-Bürgern, die vorher in West-Deutschland lebten. Einige davon engagierten sich zunächst für das neue sozialistische System in der DDR, gerieten dann aber in ernste Konflikte mit dem SED-Machtsystem in diesem Landes:

  • Ralph Giordano (1923 in Hamburg – 2014 in Köln)Journalist, Publizist, Schriftsteller und Regisseur in Hamburg geboren, 1946 bis 1957 Mitglied der seit 1956 in der BRD verbotenen KPD.  „1955 siedelte Giordano in die DDR über, wo er neun Monate blieb, um ernüchtert wieder nach Hamburg zu ziehen.“
  • Ernst Bloch (1885 in Ludwigshafen am Rhein – 1977 in Tübingen): Philosoph, kam 1949 aus dem USA-Exil in die DDR, lebte bis 1961 in Leipzig. Der überzeugte Marxist wurde zum „DDR-Philosophen“ seit 1955. Nach den politischen Unruhen in Ungarn 1956 entwickelte er Positionen gegen die SED-Politik und wurde als „Revisionist“ isoliert. 1961 kehrte er von einer BRD-Reise nicht wieder in die DDR zurück.
  • Wolf Biermann (1936 in Hamburg – )Lyriker und Liedermacher aus Hamburg , 1950 nahm er als Sprecher von 800 westdeutschen Pionieren am 1. Deutschlandtreffen der Jugend in Ost-Berlin teil, sprach dort ein Gelöbnis der Treue zur DDR und zur Einheit Deutschlands; 1953 in die DDR übergesiedelt, war Schüler von Bert Brecht und Hanns Eisler, später Kritiker der SED und der DDR, bekam  1965 Auftritts- und Publikationsverbot. wurde 1976 nach einer Konzerttour in der Bundesrepublik Deutschland die Wiedereinreise in die DDR verweigert, und er wurde ausgebürgert.
  • Robert Havemann (1910 in München – 1982 in Grünheide): Chemiker, Kommunist (seit 1932), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus (Rote Kapelle und Widerstandsgruppe Europäische Union) und Kritiker der DDR, wechselte 1950 aus West-Berlin in die DDR (Ost-Berlin) über, wurde 1951 SED-Mitglied, 1964 Parteiausschluß, weil er  „unter der Flagge des Kampfes gegen den Dogmatismus von der Linie des Marxismus-Leninismus“ abgewichen sei und sich des „Verrats an der Sache der Arbeiter- und Bauernmacht schuldig gemacht“ habe. 1965  Berufsverbot,  1976 – 1979 Hausarrest (Robert Havemann Gesellschaft)

Einige tausend Flüchtlinge kamen im Herbst 1973 aus Chile in die DDR

Am 11. September 1973 putschte mit USA-Hilfe das Militär unter General Augusto Pinochet den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Viele Sozialisten und Kommunisten aus Chile fanden in der DDR Zuflucht, kamen in ihren Ländern teilweise mit dem Leben davon.

Dr. Michelle Bachelet

Unter diesen wirklichen politischen Flüchtlingen war auch die erste Frau als Präsidentin Chiles von 2006 bis 2010 sowie von 2014 bis 2018, Dr. Michelle Bachelet.

Sie ist die Tochter des Generals der chilenischen Luftwaffe, Alberto Bachelet, der beim Putsch 1973 in Chile Präsident Salvador Allende loyal blieb und von Angehörigen des Regimes von Augusto Pinochet gefangen genommen und gefoltert wurde. Im Jahr darauf erlitt er einen tödlichen Herzinfarkt. Michelle und ihre Mutter flohen über Australien in die DDR …  Dort lernte sie am Herder-Institut der Universität Leipzig Deutsch und studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Medizin. 1979 kehrte sie in ihre Heimat Chile zurück und trat der Sozialistischen Partei bei. 2006 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Berliner Charité für ihre Verdienste als Kinderärztin und Politikerin um das Gesundheitswesen und die Versorgung unterprivilegierter Menschen in Chile.

„Was Ihr hier in der DDR macht, ist kein Sozialismus!“

Eine Soziologin aus Chile mußte mit ihrem Mann nach dem Putsch gegen Präsident Allende ins Ausland flüchten. Sie wollten in die sozialistische DDR. Sie selbst bezeichnete sich als „Sozialistin“. So kam sie zu uns Sozialpsychologen an die FSU in Jena. Ihr Mann, der sogar Leibarzt von Allende war, ein guter Chirurg durfte jedoch in der DDR nicht operieren, wodurch seine Fähigkeiten nicht weiter trainieren konnten und seine berufliche Arztkarriere unklar blieb.

Ich hatte persönlich mit dieser Frau häufige und lange Diskussionen über das Geschehen in Chile und natürlich über die DDR. Sie war breit allgemeingebildet und welterfahren durch viele Reisen in mehrere Länder der Welt. Als kluge Analytikerin mit großem Vergleichs- und Unterscheidungsvermögen vertrat sie klar die These: „Was Ihr hier in der DDR macht, ist kein Sozialismus!“

Eines Tages reiste sie für soziologische Studien auf DDR-Kosten von Jena nach Moskau in das Archiv der KPdSU. Die Reise wurde von der zuständigen Stelle an der Uni Jena vorbereitet und so flog sie erstmals in die Sowjetunion. Als sie später wieder in Jena war, erfuhren wir, daß sie – in Moskau angekommen – inhaftiert wurde, weil sie kein Einreisevisum mitgebracht hatte. Die Reise-Verantwortlichen in Jena hatten geglaubt, weil diese Chilenin doch einen internationalen Reisepaß besaß, daß sie einfach so in die Sowjetunion einreisen könne. Während an der Uni die verantwortlichen Mitarbeiter wegen dieses Vorfalls scharf kritisiert und auch bestraft wurden, kam unsere Soziologin-Kollegin zufrieden und frohen Mutes nach Jena zurück. Sie verstand unsere Aufregung und diese hausinterne Kritik überhaupt nicht.  Sie konnte doch interessante Dokumente einsehen und auswerten, brachte gute Erkenntnisse und Erfahrungen mit. Ihr Vater hätte immer wieder mal gesagt: „Einmal im Leben mußt Du auch im Knast gewesen sein!“ Und nun war sie auch einmal im Gefängnis – zwar glücklicherweise nicht in Chile, aber in der Sowjetunion. Und sie hatte dort im sowjetischen Gefängnis ein wunderbares Erlebnis mit einer russischen Wärterin. Mit dieser unterhielt sie sich stundenlang in gutem Englisch und erfuhr dadurch so viel Interessantes über Moskau und die Sowjetunion, was sie doch sonst nicht erfahren hätte. Nach diesen nächtlichem Gespräch im Gefängnis konnte das Visum-Problem gelöst werden und sie führte – wie geplant – in Moskauer Archiven ihre Studien über die kommunistische Weltbewegung durch.

Prof. Dr. Ingrid Deich siedelt 1979 aus den USA in die DDR um

Ich schrieb 1974 eine Diplomarbeit an der FSU zu den „Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Soziologie und Sozialpsychologie“. In diesem Zusammenhang traft ich 1979 in Leipzig eine Kommunistin, die aus West-Deutschland kommend in die USA ging, dort als Soziologie-Professorin an der University of Missouri at Rolla arbeitete,  und dann in die DDR übersiedelte. Sie war dankbar für die freundliche Aufnahme in der DDR, sie arbeitete inzwischen als ordentliche Professorin an der Karl-Marx-Universität in Leipzig auf ihrem Gebiet der Soziologin. Ich traft sie mit ihrem Mann in ihrer neu bezogenen Wohnung in Leipzig. Schnell stellten wir zueinander eine Brücke her und unterhielten uns ausgiebig die ganze Nacht hindurch. Es ging mehr um ihre persönlich-authentischen Schilderungen vom Leben als Kommunistin unter kapitalistischen Bedingungen in den USA. Das war für mich in dieser Begegnung wertvoller als die fachliche Diskussion meiner Diplomarbeit, die ja schon abgeschlossen und verteidigt war: Alles dreht sich dort nur ums Geld; das Leben in sozialen Schichten – geordnet nach den Wohngebieten (Adressen);  die Oberflächlichkeit der Kommunikation und des Zusammenlebens; die prüde Heuchelei in der Gesellschaft (das völlig übliche Fremdgehen, die ungleich Behandlung von Männern und Frauen, sich als Frau für die Karriere Hoch-Schlafen-Müssen); die Befristung von Anstellungen (auch an den Universitäten); so bekam sie aufgrund ihrer kommunistischen Haltung und dementsprechenden Forschungen keine Gelder und Anstellung mehr

Diese Schilderungen über das Leben in den USA machte mich damals Stolz, in der sozialistischen DDR leben zu dürfen, wo sehr viele dieser Probleme nicht (mehr) bestanden.

Ingrid Deich: Zwischen Dallas und New York: Wie ich die USA erlebte: Notizen eines Aufenthaltes (1986)

Buchbeschreibung:

Sie sieht die USA vom marxistischen Standpunkt aus. Ihr Buch, mit vielen Anmerkungen und Literaturverweisen versehen, ist eine sachliche Analyse der Arbeitssituation in den USA, des Schul- und Universitätswesen, der Situation der Frauen, des Familienlebens, des amerikanischen Fernsehens und der US-Politiker. Es ähnelt eher einer soziologischen Studie als dem im Titel angekündigten Erlebnisbericht.

 

Ressourcen:

Zuwanderung in die DDR. Von West nach Ost

Die SED ließ fast jeden Einwanderer in die DDR

 

 

Vater geht aus der SED-Kreisleitung raus

Vater geht aus der SED-Kreisleitung raus

Nachdem mein Vater erfolgreich als Journalist in der Niederlausitz bei der Partei-Zeitung „Lausitzer Rundschau“ arbeitete, bekam er den (Partei-)Auftrag als Referent des Ersten Kreissekretärs der SED in Senftenberg kompetent zur Seite zu stehen. Man sagte, er arbeitet in der „Kreisleitung“, aber hatte keine Parteifunktion und war dort nur geistiger Hilfsarbeiter.

Da mein Vater selbst gut reden und sich auch schriftlich ausdrücken konnte, schrieb er also alle Reden für den SED-Chef in Senftenberg, denn es war üblich, daß diese Funktionäre nicht frei redeten (wahrscheinlich auch nicht konnten), sondern nach vorbereiteten und beschlossenen Redemanuskripten (selbst eine kleine Rede zur Eröffnung einer Jugendweihefeier, nicht nur zu Parteiversammlungen im Kreismaßstab).

Das machte mein Vater einige Zeit und er wurde frustriert und unzufrieden, weil sein Können als Redenschreiber oder Journalist eigentlich nicht gefragt war, denn jede Rede mußte im Sekretariat des Kreissekretärs besprochen und verabschiedet werden. Die unausgesprochene Norm war dabei, daß eine von ihm vorbereitete Rede nie im ersten Anlauf bestätigt und dann so gehalten wurde. Mitunter gab es mehrere solcher Redenentwürfe und Kritikrunden mit immer neuen Ideen zur Überarbeitung der Rede, bis mitunter in letzten  Minute noch Änderungen erfolgen sollten. Das demütigte meinen Vater. Dazu kam dann noch die selbstherrliche Art und Weise des Ersten und seine mehr oder weniger unsinnigen Korrektur-Aufforderungen. Mein Vater konnte seinen Unmut (seine Kritik) am arroganten Ersten Kreissekretär und diesem Machtgehabe sogar innerhalb der Partei nicht anbringen, denn die andere Seite wußte „immer alles besser“. Er suchte nach einem Ausweg und entwickelte einen Zwei-Etappen-Plan für sich selbst:

Erste Etappe: Innere Kündigung

Mein Vater begeisterte sich jedoch für schönes, geistvoll-kreatives Schreiben, das kluge Jonglieren mit der wunderbaren deutschen Sprache (er hätte besser Schriftsteller werden sollen). Dazu beschäftigte er sich natürlich auch mit Kollegen aus dem Kommunikations-Metier der DDR. Dabei entdeckte er den in der DDR geschätzten Professor Franz Löser: Und in einer seiner Veröffentlichungen fand er eine satirische Lösung seiner Lage, die ihn wenigstens bei seiner Arbeit etwas listig schmunzeln ließ.

Franz Loeser hatte in seinem Buch „Durchbruch des neuen Geschlechts“ eine dreiteilige Liste DDR-üblicher Worte versteckt eingefügt und die (satirische) Behauptung aufgestellt, damit könne bei entsprechender Kombination ein jeglicher Redner jedes beliebige Referat zu jedem beliebigen Thema bestreiten. Und damit arbeitete mein Vater im Folgenden. Durch Analyse früher Reden seines Chefs fand er heraus, daß immer ähnliche (gleiche) Texte gewünscht wurden. Dazu gehörten auch die Wortkombinationen nach Franz Löser. So konnte er ein Reden-Muster (seines Chefs) identifizieren. Beim nächsten Auftrag schrieb er einfach etwas drauflos, was sowieso „zerrissen“ wurde. Dann nahm er eine alte „abgenickte“ Rede aus dem Archiv hervor (heute würde das mit Dateispeicherung im PC noch viel einfacher und schneller gehen), aktualisierte die enthaltene alte Bezeichnung der ZK-Tagung oder des SED-Parteitages, fügte je nach Lust und verbliebener Zeit noch die eine oder andere Ergänzung oder ein aktuelleres Zitat hinzu und schon war er fertig. Er hatte nun Zeit für sich und sein Vergnügen:

  • Lesen schöngeistiger Literatur, vor allem der „Die deutschen Klassiker“, aber auch weitere  Weltliteratur. Er konnte sich daran erbauen und ließ sich geistig und sprachlich inspirieren. Das war für Lesen im „kulturelles Gedächtnis“ der Deutschen oder anderer Länder.
  • Gehirntraining mit Kreuzworträtseln, die er meist sehr schnell löste, weil er mit Sprache und Bedeutungen umgehen konnte.

Übrigens heißt eine solche Funktion heute „Ghostwriter“ auf Englisch, denn Englisch ist im Deutschen modern!  Ein Ghostwriter (wörtlich: Geisterschreiber), auch Auftragsschreiber, ist ein Autor, der im Namen und Auftrag einer anderen Person schreibt. (Wikipedia)

Zweite Etappe: Äußere Kündigung

Mein Vater hatte vor dem Krieg in der Landwirtschaft gelernt, interessierte sich für Natur und Gartenbau und Landwirtschaft, engagierte sich in seiner Freizeit selbst als Kleingärtner und im Vorstand der von ihm in Senftenberg mit aufgebauten Kleingartenanlage „Glück auf!“ innerhalb des „Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter“. Dieser Verband war eine sozialistische Massenorganisation in der DDR, weil sie über 1,5 Millionen Mitglieder vereinte. Da ich ihm damals in dern 1960er Jahren half, das Land für die Gartenanlage mit den Parzelle zu vermessen, den per Los zugewiesenen Garten urbar zu machen und Schritt für Schritt zu kultivieren, erlebte ich auch, daß mein Vater unter den Kleingärtenr sehr beliebt und geschätzt war. Er setzte sich für ihre Interessen und Bedürfnisse ein, klärte Nachbarschaftskonflikte, organisierte neue Pflanzen und vor allem auch die gegenseitige Hilfe untereinander in der Anlage usw. So kam der Tag, daß die Kreisorganisation dieses Verbandes VKSK einen neuen (hauptamtlich arbeitenden) Vorsitzenden brauchte. Und – wie Wunder – wurde für die Neuwahl mein Vater von den Kleingärtner, Siedlern und Kleintierzüchter favorisiert. Mein Vater hatte dann nur noch wenige Argumente für seinen Partei-Chef: Der VKSK ist eine wichtige sozialistische Massenorganisation mit mehr Mitgliedern in Senftenberg als SED-Parteimitglieder. Dort wird eine gute Führung gebraucht, weil diese Organisation auch sehr wichtig für die Selbstversorgung der Bevölkerung mit Gemüse oder Kleinvieh (z.B. Hühner, Kaninchen) war. Der Erste stimmte zu, daß mein Vater Vorsitzender des Kreisverbandes VKSK  wurde.  Mein Vater verließ die SED-Kreisleitung mit Schmunzeln. Seine letzten Jahre widmete er sich engagiert diesem Verband, leistete dort bei den Menschen anerkannte Arbeit.

Und hin und wieder wurde er als Vertreter der Massenorganisation VKSK an den Tisch des Ersten der SED-Kreisleitung gebeten, „hinzitieren“ ließ er sich nicht mehr. Seine Organisation war mitgliedermäßig sogar stärker als die Partei! Und dort konnte er unabhängiger auch manches Anliegen für seinen Verband durchsetzen – er war ja dort länger ein Insider und wußte wie man dort „tickte“…

 

(Fotoquelle: www.omnia.ie)

 

 

Psychologie-Studium an der Sektion „Ökonomische Kybernetik“!?

Alles war in der DDR der Anfangsjahre im Aufbau. Nicht alles konnte von der Sowjetunion übernommen werden. Es wurde nach Neuem und Besserem gesucht. Auch die Psychologie in der DDR, speziell die Teildisziplin Sozialpsychologie innerhalb der DDR arbeitsteilig in Jena. Von einer Sozial-Psychologie hatte man offenbar unklare Vorstellungen. Sie konnte jedoch keine bürgerlich Psychologie sein, mußte jedenfalls “ marxistisch-leninistisch“ sein bzw. der  Philosophie des dialektischen Materialismus entsprechen.

Die weltweite Entwicklung der Kybernetik seit Ende des Krieges (Norbert Wiener) wurde auch in der DDR vor allem vom Philosophen Georg Klaus verfolgt, von der Parteiführung durch Walter UIbricht gefördert  und als Möglichkeit der Optimierung der Steuerung der Gesellschaft betrachtet. Die Verfechter der DDR-Kybernetik waren damals bestrebt, zur Entwicklung der Philosophie des dialektischen Materialismus beizutragen und diese auf das Niveau der modernen Natur- und Sozialwissenschaften zu bringen. So wurde beispielsweise der Studiengang Ökonomische Kybernetik Ende der 1960er Jahre konzipiert und an einigen Hochschulen der DDR eingeführt. Speziell an der Uni in Jena gab es dafür interessante Ansätze und Versuche, die Kybernetik als universelle und übergreifende Lehre in die Wissenschaft und Gesellschaft der DDR zu integrieren (Jérôme Segal: Die Einführung der Kybernetik in der DDR). Deshalb wurde ich 1970 an der FSU Jena noch an der Sektion „Ökonomische Kybernetik“ immatrikuliert. Aber nach dem Machtwechsel in der SED-Führung von Walter Ulbricht zu Erich Honecker wurden diese Bestrebungen der Kybernetiker schon Anfang der 1970er Jahre  abgebrochen – aus ideologischen Gründen. Deshalb studierte ich nach einer Hochschulreform ab 1971 dann Sozialpsychologie an der Sektion Psychologie an der FSU Jena. Die Kybernetik als allgemeine Theorie von Steuerung und Kommunikation hätte sicher auch für das Verständnis von Kooperation und Kommunikation zwischen Menschen in der Sozialpsychologie wesentlicher Erklärungsansatz sein können. Und Georg Klaus mit seiner Philosophie und Kybernetik mit ihren Teilgebieten der  Systemtheorie, Regelungstheorie, Kontrolltheorie, Informations- und Kommunikationstheorie, Spieltheorie beeinflußte dennoch weiterhin stark unsere psychologische Lehre und Forschung.

„Auch von Seiten der Philosophen und Naturwissenschaftler gab es weiterhin scharfe Kritik, doch das Charisma von Klaus, zweimal Träger des Nationalpreises für Wissenschaft und Technik und Überlebender der Todescamps, versagte diesen Kritikern den Zugang zu den Zeitschriften. So wurde die Rezension von Klaus Fuchs-Kittowski (geb. 1934) von Klaus’ Kybernetik in philosophischer Sicht, die für die Deutsche Zeitschrift für Philosophie verfaßt worden war, dort nicht veröffentlicht. Fuchs-Kittowski warf Klaus in diesem als ein „Ein Beitrag zur Überwindung des Dogmatismus in der Philosophie“ gedachten Artikel, der sich ebenso gegen die „Gewis“ wandte, einen eigenen Dogmatismus in seiner Einführung der Kybernetik vor. Höchstwahrscheinlich ist, daß die Kybernetik, so wie sie von Klaus eingeführt worden war, schließlich zu mächtig geworden war, insbesondere bezüglich der Legitimierung einiger geisteswissenschaftlicher Bereiche wie der in der DDR noch wenig etablierten Psychologie. So hatte die Kybernetik nach einer relativ wissenschaftlichen Auffassung ermöglicht, in der Psychologie (oder eher in der “ marxistischen Psychologie „) Begriffe wie die der Arbeitsproduktivität zu definieren.“  (http://www.jerome-segal.de/Publis/Kyb-DDR.htm)

  • Immerhin kam es zur Etablierung einer „marxistisch-leninistischen Sozialpsychologie“ in Jena unter Prof. Hans Hiebsch und Prof. Manfred Vorwerg.
  • Immerhin war die Etablierung des Bereichs Sozialpsychologie innerhalb einer Sektion der  „Ökonomischen Kybernetik“ an der FSU Jena wegweisend für die Ausrichtung von Psychologie für die sozialistische Wirtschaft.
  • Immerhin suchten wir auf dem Gebiet der Sozialpsychologie nach neuer Fundierung und möglichst nach naturwissenschaftlich-mathematischer Begründung (z.B. Spieltheorie).
  • Immerhin erlangte Prof. Friedhard Klix mit seinen kognitiv-psychologischen Forschungen über „Information und Verhalten“ weltweite Anerkennung und leistete – seiner Zeit voraus – damit Entscheidendes für die Entwicklung von „Künstlicher Intelligenz“.

Ich habe später am Beispiel des Philosophen Dr. Helmut Metzler erlebt, der an der Uni, bei Zeiss und später auch bei den Psychologen an der Uni arbeitete, wie er das Verständnis von „Kybernetik“ auf alle möglichen Gebiete fördernd anwenden konnte. (Helmut Metzler: Logik an der FSU in den 1950er Jahren, TABVLA RASA Ausgabe 44, August 2011 )

 

Ich kann nicht tanzen!

„Ich kann nicht tanzen, weil mein Vater mich nicht zur Tanzschule ließ.“

Mein Erlebnis:

In meiner Jugend lernte man noch Tanzen. Man ging in eine Tanzschule am Abend und lernte dort in einer Gruppe von Tanzwilligen bei einem professionellen Tanz-Lehrer verschiedene Tanzschritte und Tänze wie Walzer, Foxtrott, Tango u.a.. So ein Tanzkurs dauerte ein paar Wochen. Natürlich wollte ich in meinem jugendlich-pubertären Alter auch gern Tanzen lernen, schon, weil man damals dabei die erste Gelegenheit gehabt hätte, ein Mädchen in den Arm zu nehmen und einen weiblichen Körper zu spüren.

Aber, mein Vater erlaubte mir den Besuch der Tanzschule in Senftenberg nicht. Mein Bitten und Flehen und auch die Intervention eines meiner Lehrers half nichts. Er bleib hart. Ich verstehe seine Motivation bis heute nicht. Also keine Tanzschule für mich, kein Tanzen lernen. Doch ich litt als junger Mensch darunter, denn ich war der EINZIGE meiner ganzen Schulklasse, der nicht an der Tanzschule teilnahm. Am Tag nach der Tanzschule verstand ich als Außenseiter natürlich nicht, worüber meine männlichen Mitschüler tuschelten und sich vergnügten. Ich war ja nicht dabei.

Viel später wurde ich als Manager („sozialistischer Leiter“) im VEB Kombinat Carl Zeiss Jena eingesetzt. Es war dort eine Tradition, daß dann ein Fest des gesamten zu führenden Bereichs organisiert wurden. Dabei war es üblich, daß der neue Chef eine Begrüßungsansprache hielt, sich dabei vorstellte und verkündete, wie er sich als Neuer die Zusammenarbeit vorstellt. Diese kleine Rede war für mich weniger ein Problem. Aber im Anschluß an diese Rede war es weiterhin üblich, daß der neue Chef mit seiner persönlichen Sekretärin den anschließenden Tanzabend allein auf der Tanzfläche unter den kritischen Augen aller eröffnete. Oh, weh!!!  Ich konnte doch nicht tanzen. Das war also ein Riesenproblem für mich. Meine damalige Sekretärin Rita freute sich jedoch über den anstehenden Abend, weil sie eine echte „Tanzmaus“ war. Jede Woche schwärmte sie von den erlebten schönen Tanzabenden. Dabei war sie sogar etwas korpulent, doch Tanzen konnte sie offenbar sehr gut und freute sich nun auf ihren öffentlichen Auftritt mit mir beim Betriebsfest. Da ich von ihrer großen Tranzfreude und Erwartungshaltung wußte, fand ich einfach keinen Weg, vor diesem Abend mit ihr über meine Kalamität zu sprechen. So kam die Sekunde am besagten Abend, daß ich sie nach meiner Kurzansprache am Tisch aufforderte, mit mir den Tanzabend zu eröffnen. Doch als die kleine Musik-Kapelle einen schönen Walzer zu spielen begann, begann auch meine Image-Katastrophe. Ich hörte in meiner Vorstellung schon die Überschrift des Flur-Gezwitschers im Werk: „Der Psychiater – so nannten mich die Technologen dort „liebevoll“ – als steifer Tanzbär“. Nun, meine Sekretärin merkte natürlich schnell, daß das Tanzen mit mir irgendwie nicht funktionierte. Ich stolperte über ihre Füße. Sie versuchte entschlossen, die Lage zu retten, und übernahm die Führung unserer Tanzbewegungen. Aber, das klappte mit mir ja noch weniger. Als ich dann sah, daß die ersten Teilnehmer meiner neuen betrieblichen Mannschaft zu lachen anfingen, brach ich „meinen Tanz-Reinfall von Jena“ ab, eröffnete den Tanzabend für alle und begleitete meine enttäuschte Sekretärin an unseren gemeinsamen Tisch. Dort begann ich ihr zu erklären, daß ich leider das Tanzen nicht gelernt hätte, weil mein Vater mich nicht in die Tanzschule ließ. Meine Sekretärin lachte laut und herzlich und wollte sich nicht beruhigen. Schließlich fragte sie mich ernst: Wie alt bist Du? Ich stammelte mein Alter. Sie fragte weiter: Und, mußt Du etwa heute etwa immer noch Deinen Vater fragen, ob Du die Tanzschule besuchen darfst?

Durch meine kluge Sekretärin wurde mir in dieser Situation schlagartig etwas Wichtiges im Leben klar: In unserer Kindheit bekommen wir manchmal etwas nicht oder wir dürfen etwas nicht lernen (warum auch immer es die Eltern nicht erlauben oder sich leisten können). Aber wenn wir dann später selbst erwachsen sind und vielleicht sogar eigene Kinder haben, dann können wir vieles davon selbst neu entscheiden und vielleicht lernen. Dann ist die Verantwortung dafür auf uns selbst übergegangen und wir können die Schuld für Dinge in der Kindheit nicht mehr den Eltern geben.

Aber ehrlich gesagt, bin ich körperlich schon etwas steif und wenig beweglich und deshalb ist Tanzen (vielleicht) nicht wirklich mein Vergnügen in diesem Leben.

Heute braucht man nicht mehr Tanzen können und dafür eine spezielle Tanzsschule absolvieren, weil jeder nach Musik so tanzt wie ER will, nicht mehr Mann und Frau zusammen und nicht mehr, wie es eine Tanz-Kultur der Gesellschaft vorgibt. Das gibt es nur noch in den „unterentwickelten“ Ländern wie Kuba, wo die lebensbejahenden und glücklichen Menschen viel tanzen.

Doch, dabei ist „richtiges“ Tanzen-Können eines zweigeschlechtlichen Paares wirklich etwas sehr Schönes.

Shall We Dance? ‘Be This Alive’ – Jennifer Lopez, Richard Gere

Antonio Banderas – Take the Lead – Tango Scene

Leonard Cohen – Dance Me To The End Of Love

Walzer Nr. 2 (Dmitri Schostakowitsch: Walzer Nr. 2  

 

Eisleber Wiese

Die Eisleber Wiese-Feste 

Die „Eisleber Wiese“ (kurz „Wiese“, lang „Eisleber Wiesenmarkt“) ist das größte Volksfest in Mitteldeutschland. 

Die Wiese ist DAS Ereignis des Jahres in Eisleben und Umgebung, DAS bunte Fest für das Mansfelder Volk, mit Festumzug durch die untere Stadt, mit Rummel, vielen Schaustellern und abschließendem Feuerwerk. Sie findet ununterbrochen seit 1521 statt.

Als kleines Kind (etwa 4 Jahre alt) nahmen mich die Eltern natürlich schon mit auf die „Wiese“. Traditionell bewegen sich auf diesem bunten Volksfest sehr viele Menschen, Die Massen bewegen sich hin und her, verschiedene Musik an unterschiedlichen Ständen. Alles bunt und interessant für einen kleinen neugierigen Jungen, so daß ein kleines Kind im Trubel der Menschen schnell mal „verloren“ gehen kann. Ich bestaunte alles, blieb irgendwo stehen, ließ die Hand meines Vaters los, und verlor den Anschluß an meine Eltern – ohne das zu bemerken. Ich hielt mich automatisch an der Hand (oder dem Mantel) eine Mannes fest und ging mit diesem weiter. irgendwann bemerkte ich, daß das nicht mein Vater war und fing an zu weinen. Ich hatte meinen Vater und meine Mutter verloren. Das war schlimm. Aber die Eislebener waren liebe Menschen, sie fanden unter den vielen Menschen meine Eltern wieder und meine Welt war in Ordnung. Aber jetzt wollte ich sofort wieder nach Hause.

Riesenrad als Wahrzeichen

„Mit seiner Gesamthöhe von 55 Metern und der wunderschönen historischen Bemalung ist dieses Riesenrad das Wahrzeichen des Wiesenmarktes. Bellevue ist das weltweit höchste transportable Riesenrad mit geschlossenen Gondeln.“ (https://www.absolut-wiesenmarkt.de/rückblick/2014/attraktionen/)

Mehrere Wiesen-Feste in Eisleben

„Der Wiesenmarkt in der Lutherstadt Eisleben (Sachsen-Anhalt) ist ein jährlich wiederkehrendes Volksfest mit durchschnittlich über einer halben Million Besuchern und über 350 Schaustellern. Die Fläche wurde in den letzten Jahren erweitert und somit wurde die Grenze auf 350 Schausteller um knappe 50 % angehoben.

  • Der Eisleber Wiesenmarkt ist das größte Volksfest Mitteldeutschlands. Es findet immer am dritten Wochenende im September statt und dauert von Freitag bis Montag. Am Freitag wird das Fest um 15  Uhr in einem Straßenumzug durch den/die Oberbürgermeister/in von Eisleben feierlich eröffnet. Am Montag wird das Fest durch ein Feuerwerk um 22:00 Uhr beendet.
  • Das Wochenende darauf findet die „Kleine Wiese“ statt. Auf der „Kleinen Wiese“ befinden sich dann noch circa 70 Schausteller. Seit 2003 findet jeden Sonnabend zur „Kleinen Wiese“ ein Ballontreffen und in den Abendstunden ein Ballonglühen statt.
  • In jüngerer Zeit hat sich zudem die „Frühlingswiese“ etabliert, welche, zusammen mit der Handwerkermesse „Reforma“, immer um den 1. Mai herum stattfindet. Es nehmen etwa 90 Schausteller und Händler teil.“ (Wikipedia)

Veronika Fischer – Auf der Wiese 1975

Veronika Fischer war eine der besten DDR-Künstler (sie verließ 1981 die DDR).

„1974 formierte “Vroni” ihre erste eigene Band. Zu ihr gehörten die damals besten Künstler der DDR-Rockszene, wie Franz Bartzsch (Musik) und Kurt Demmler (Texte). Die Kongenialität der Zusammenarbeit mit ihnen haben der Sängerin große Erfolge beschert. Es entstanden Songs, die ihr auf den Leib geschrieben und komponiert waren, und Gefühl und Stimme ungewöhnlich exzellent bedienten.“ (aus der Vita von Veronika Fischer) 

Auf der Wiese haben wir gelegen
und wir haben Gras gekaut
Folgen wollt‘ er mir auf allen Wegen
Blumen hat er mir geklaut
Montag hat er mir das Haar gekämmt
Dienstag gingen wir ins Kino
Mittwoch hab ich ihm was vorgeflennt
denn wir hatten nur Casino
Und den Donnerstag, den ganzen
blieben wir in unserm Bett
Und den Freitag warn wir tanzen
Wenn ich doch den Freitag hätt‘
Samstag sagte er mir in die Ohren
dass er mich wie irre liebt
und er hätte sicher auch geschworen
dass es keine and’re gibt
Auf der Wiese haben wir gelegen
und wir haben Gras gekaut
Folgen wollt‘ er mir auf allen Wegen
Blumen hat er mir geklaut
La la la la la la …
Sonntag ist er fortgegangen
ist für immer mir entwischt
Ach, ich hätt‘ ihn aufgehangen
hätte ich ihn bloss erwischt
Samstag sagte er mir in die Ohren
dass er mich wie irre liebt
und er hätte sicher auch geschworen
dass es keine and’re gibt
Auf der Wiese habe ich gelegen
und ich habe Gras gekaut
Folgen trage ich auf allen Wegen
Blumen klau’n hab ich mich nicht getraut

Webseite von Veronika Fischer

Wikipedia Veronika Fischer

Ich bin ein Eisleber

Ich bin ein geborener Eisleber

https://www.openstreetmap.org/?mlat=51.52757&mlon=11.55011#map=10/51.5265/11.5500

Der „Eisleber“ ist nicht der „Eislebener“, aber er lebt in der Lutherstandt Eisleben im Mansfelder Land.

Im Jahr 1950 wurde ich als Sohn von Wilhelm Franz Hermann Barth (16.8.1924-1985) und Lina Ilse, geb. Klee (15.3.1928–8.3.2012) in Eisleben, Welckerstr. Nr. 9 geboren. Mein Vater arbeitete damals als Bergarbeiter und meine Mutter war Hausfrau. Mein liebe (Paten-)Tante Franke und ihr mit mir gleichaltriger Sohn und Spielgefährte Harald wohnte gleich nebenan.

Eisleben ist eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg, Hauptstadt des Mansfelder Seekreises und ehemals der Grafschaft Mansfeld.

1000 Jahre Eisleben 960-1960.,

  • Eisleben ist weit über 1000 Jahre alt und gehört zu den ältesten Städten zwischen Harz und Elbe. Die Altstadt von Eisleben kommt urkundlich schon 974 vor; sie gehörte den Grafen von Mansfeld.
  • 1960 feierte die Stadt offiziell 1000-jährige Wiederkehr der Verleihung der Markt-, Münz- und Zollrechte.
  • Von 1531–1710 wurde eine Linie der Grafen von Mansfeld nach Eisleben benannt.
  • 1579 wurde hier der Eislebensche Tauschrezeß zwischen Kursachsen und dem Erzstift Magdeburg abgeschlossen.
  • Nach dem Aussterben der Grafen von Mansfeld 1780 kam Eisleben an Sachsen und 1815 an das Königreich Preußen.
  • Eisleben ist Martin Luthers (10.11.1483 – 18.02.1546) Geburts- und Sterbeort.

Eisleben ist eine über die Jahrhunderte gewachsene und erfahrungsreiche Stadt im östlichen Vorland des Harzes, dem Herzen Deutschlands. Die Stadt Eisleben liegt in Mitteldeutschland, etwas 30 km westlich von Halle (Saale) in einer langgezogenen Tieflandzunge, der sogenannten Eislebener Niederung.

Das Wort „Leben“ im Stadtnamen soll nach Hermann Größler „Erbe“ oder „Erbgut“ bedeuten, während sich der vordere Teil dieser Ortsnamen auf die Sippe der Grundherren bezog. Demnach müßte „Eis-Leben“ das Erbe der Sippe ‚“Eis“ gewesen sein.

Die Siebenhitze

Die Eisleber Siebenhitze ist eine alte aufgegebene Siedlung (Wüstung) im heutigen Stadtgebiet der Lutherstadt Eisleben, nahe dem „Rammtor“, das bei der zweiten Ummauerung Eislebens errichtet wurde. Die „Siebenhitze“ zeugt von einer alten slawischen Siedlung in der Eisleber Gegend und damit von der über 1000 jährigen Geschichte dieses Lebensraumes.

„Knoblauckönig“ Hermann von Luxemburg in Eisleben

Interessant ist für mich die Verbindung zum Vornamen „Hermann“ meines Vaters und von mir selbst sowie auch zum Land Luxemburg„, indem ich seit 2001 lebe:

„1081 bestätigten die sächsischen Fürsten in Eisleben die Wahl von Hermann von Luxemburg (1053–1088), Graf von Salm, zum Gegenkönig zu Heinrich IV., während jener sich in Italien aufhielt. Hermann residierte in der Eisleber Wasserburg…“. Vor den Mauer der Wasserburg soll damals viel Knoblauch gewachsen sein, weshalb Hermann auch als „Knoblauchkönig“ genannt wurde.  Eine Sandsteinplastik an der Nordwand des Eisleber Rathauses stellt wahrscheinlich Hermann dar. Er ist übrigens heute eine Imagefigur der Tourismuswerbung der Stadt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Lutherstadt_Eisleben

Eisleben ist eine bunte Stadt

„Eisleben an sich ist schon allein wegen seiner baulichen Vielfalt eine Reise wert.  Hier lehnt sich Mittelalter an Barock, lehnt sich der Volksparks an die Moderne des ausgehenden 19ten Jahrhunderts. in allen Gassen schnuppert man dennoch ein gleichbleibendes Gemisch aus Kupferbergbau alias Mansfeld-Kombinat und Martin Luther Protestantismus. … mit vielen gewundenen Gässchen, welche oft in kleinen Plätzen münden…“ (dasdenkgelage)

Regen und Schnee

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (www.dwd.de) liegen die jährlichen Niederschläge  (Normalperiode 1961-1990)  in Eisleben bei 509 Millimeter. Das sei „so niedrig, dass er in das untere Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte fällt“ (wikipedia.org/wiki/Lutherstadt_Eisleben).

Allerdings erinnere ich mich, daß es in meiner Kindheit  so stark regnete, daß Wasser  „aus Kannen“ floß, und daß der Regen mit Blitz und Donner kam. Meine Mutter hatte immer Angst vor Gewitter und positionierte sich und mich an sich gedrückt in der Mitte unserer Wohnung vor dem Klo. Dort warteten wir lange, bis das Gewitter sich verzogen hatte. Das war mir immer unangenehm und langweilig, weil mich (vielleicht gerade deshalb) neugierig heftiges Wetter interessierte.

Und für den Winter erinnere ich mich an viel Schnee, denn ich konnte mit meinem Schlitten von der Haustür am Ramberg ins Tal der Stadt fahren. Es muß auch kalt gewesen sein, denn unsere Fenster in der Wohnung hatten Eisblumen und wir saßen viel am warmen Kachelofen, meine Mutter laß mir viele Märchen und Geschichten aus Büchern vor oder wir sangen Winterlieder.

Die Böse Sieben

Im unteren Bereich der Stadt überspannen kleine Brücken ein kleines Rinnsal. Das ist die sogenannte „Böse Sieben.

Die Böse Sieben ist ein Bach und fließt durch die Lutherstadt Eisleben im Landkreis Mansfeld Südharz und mündet bei Lüttchendorf in den Süßen See. Diese Bezeichnung hat sich erst seit dem 19. Jh. durchgesetzt. Vorher wurde sie Willerbach (mansfeldisch für Wilder Bach) genannt. Sie wird gespeist von den sieben Quellbächen Vietsbach oder Goldbach, Dippelsbach, Kliebigsbach, Goldgrund, Pfaffengrund, Saugrund und Wolferoder Bach. (wikipedia)

Einmaliges in Eisleben

Datei:DEU Eisleben COA.svg

  • Die Stadt Eisleben blieb durch den 2. Welt-Krieg unberührt,  obwohl sie inmitten von bedeutenden Bergbau- und Industriebetrieben lag. Damit gehört Eisleben den wenigen deutschen Städten, die nicht den verheerenden Bombenterror anglo-amerikanischer Flieger erleben mußten.
  • Am 13. April 1945 wurde die Stadt Eisleben den amerikanischen Streitkräften kampflos übergeben.
  • Die Einheiten der 1. US-Armee errichteten ein Kriegsgefangenenlager an der Nord- und Ostseite der Halde des Hermannschachtes bei Helfta. Auf einer Fläche von etwa 80.000 m² wurden deutsche Soldaten und Zivilisten unter freiem Himmel interniert. Zeitweise befanden sich hier 90.000 Gefangene, von denen 2000 bis 3000, vorwiegend an den unmenschlichen Verhältnissen, starben. Das Lager wurde am 23. Mai 1945 aufgelöst, die Gefangenen wurden in andere Städte gebracht. Die sterblichen Überreste der Verstorbenen konnten bis heute nicht gefunden werden. Am 20. Mai 1995 wurde im Gedenken an diese Menschen ein Kriegsgefangenen-Denkmal in Helfta aufgestellt und eingeweiht.
  • Am 2. Juli 1945 marschierte die sowjetische Armee in Eisleben ein.  Aufgrund des 1. Londoner Zonenprotokolls von 1944 und der Beschlüsse der Konferenz von Jalta wurde es Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone.
  • Zur Begrüßung der Roten Armee stellten Eisleber Kommunisten ein Lenin-Denkmal auf dem Plan auf.
  • Am 1. August 1945 begann im Bürgertheater Eisleben das erste deutsche Nachkriegstheater.
  • Seit fast 500 Jahren findet alljährlich am dritten Wochenende im September die „Eisleber Wiese” als das größte Volksfest im mitteldeutschen Raum statt. Dieses „Oktoberfest” Mitteldeutschlands ist berühmt.
  • 1946 wurde der Stadt zum 400. Todestag Martin Luthers der Name „Lutherstadt“ verliehen.
  • 1950 feierte Eisleben das 750-jährige Bestehen des Mansfelder Bergbaus in Anwesenheit des Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck.
  • 1963 wurde mit dem Fortschrittsschacht der letzte Kupferschieferschacht in Eisleben geschlossen.
  • Bis 1969 ging die Zeit des Bergbaus in der Mansfelder Mulde endgültig zu Ende. Das Mansfeld-Kombinat wurde zu einem Produktionsbetrieb für Werkzeuge und Konsumgüter umgestaltet. Parallel dazu wurde die Berg- und Hütteningenieurschule in eine Ingenieurschule für Elektrotechnik und Maschinenbau entwickelt.
  • Zwischen 1973 und 1975 traten erneut Erdsenkungen im Stadtgebiet auf, insbesondere im Bereich der Siebenhitze. Am Sonnenweg und am Alten Friedhof wurden Plattenbauten mit 640 Wohnungen errichtet.
  • Die Feier zum 500. Geburtstag Luthers im Jahre 1983 wurde lange und aufwändig vorbereitet und mit Gästen aus 36 Ländern begangen. Die Post der DDR (9. November 1982 und 18. Oktober 1983) und die Bundespost (13. Oktober 1983) gaben aus diesem Anlass Sonderbriefmarken heraus. Die Lutherstätten waren restauriert und die Fassaden der Häuser am Markt erneuert worden.
  • Das Geburtshaus Luthers ist das älteste Geschichtsmuseum im deutschsprachigen Raum. Nach einem Brand 1689 wurde es 1693 im Auftrag der Eisleber Bürgerschaft wieder
    aufgebaut und ist seither Gedächtnisstätte für den Reformator.
  • Seit 1997 gehören die Lutherhäuser zum UNESCO-Weltkulturerbe. 
  • Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
  • 2016 wurde Eisleben der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.
  • Gertrud von Helfta (bei Eisleben) ist die  einzige deutsche Heilige, die den Beinamen die Große trägt.

    Die heilige Gertrud von Helfta, auch Gertrud die Große, (* 6. Januar 1256; † 17. November 1301 oder 1302) war eine Zisterzienserin und Mystikerin im Kloster Helfta bei Eisleben. Die hl. Gertrud gehört zu den herausragenden Frauen des Mittelalters; als einzige deutsche Heilige trägt sie den Beinamen die Große. Durch Gertrud von Helfta, ihre Lehrerin Mechthild von Hackeborn und ihre Mitschwester Mechthild von Magdeburg galt Helfta als „Krone der deutschen Frauenklöster“. In der katholischen Kirche wird Gertrud von Helfta als Heilige verehrt.

    http://www.gertrud-von-helfta.de/

https://www.kloster-helfta.de/

 

 

 

 

Ressourcen:

 

Quelle Titelfoto: Privatarchiv

Der Fall der Berliner Mauer und der Mauerfall

Der Fall der Berliner Mauer: Ein Fest fürs Kapital!

Am Abend des 9. November 1989 saß ich mit einem Psychologen-Kollegen in dessen Wohnung in Berlin-Hohenschönhausen zusammen. Wir berieten meinen Arbeitsstellenwechsel ab 1.1.1990 von der Betriebsakademie des MALF zur Bauakademie der DDR, Abteilung  „Wissenschaftspsychologie“. Wir kannten uns seit Jahren, arbeiteten früher schon zusammen bei Zeiss in Jena und vor allem im Projekt des „Creativity Training Center“ (ctc) unter Leitung von Dr. Volker Heyse.

Während unseres Treffens lief der Fernseher: Eine Live-Übertragung von der Pressekonferenz mit Journalisten aus aller Welt über neue Beschlüsse zur Reisefreiheit der DDR-Bürger mit dem SED-Politbüromitglied Günter Schabowski. Er wirkte etwas unsicher und äußerte holprig etwas völlig Unmögliches (nach der üblichen DDR-Politik-Logik), daß nämlich ab sofort die Grenzen zum Westen geöffnet seien und die DDR-Bürger den Westen ungehindert besuchen könnten. „Die ständige Ausreise kann über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD bzw. zu Westberlin erfolgen.“ …  „… sofort, unverzüglich.“ 

Die DDR-Grenzsoldaten wußten davon noch nichts, hatten keine anderen Befehle, ihre Vorgesetzten wahren mysteriöserweise nicht erreichbar, weshalb es völliges Durcheinander und Unklarheit gab und eine militärisch höchst gefährliche Lage an der bisher hochgesicherten Grenze zwischen zwei feindlichen Systemen.  Noch während unseres Gespräches sahen und hörten wir die sich überschlagenden und doch widersprüchlichen Meldungen, wir sahen im Fernseher die Menschenmassen an den Grenzübergängen zu Westberlin, die die Grenzer aufforderten „Tor auf! Tor auf“. Mir schien das wie eine Art Kriegsberichterstattung.

Irgendwie verstanden wir beide das nicht, was wir da sahen. Mir war beim Anblick dessen überhaupt nicht wohl.  Aber ich spürte, daß etwas sehr Entscheidendes, etwas grundlegend Veränderndes passiert war. Es lag zum Anfassen in der Berliner Luft. Ich konnte mich darüber nicht freuen, denn ich wollte nicht in den Westen oder gar mit dem Westen (wieder-)vereint sein. Ich wolle eine bessere DDR!

Die DDR-Grenze in Berlin als „antifaschistischer Schutzwall“ 

Bis heute habe ich als gelernter DDR-Bürger und als Psychologe einen inneren Widerstand zum Gebrauch des Wortes „Mauer“ oder „Berliner Mauer“. Andauernd, immer wieder, unaufhörlich werde ich seit vielen Jahren gezwungen, diese Sprache der seit 1945 fortgesetzten psychologischen Kriegsführung gegen die historischen Wahrheit zu hören und zu lesen.

  • Bis heute liest man in Fakepedia über eine „Innerdeutsche Grenze„: „Die knapp 1400 Kilometer lange innerdeutsche Grenze hinderte bis 1989 durch massive Befestigungen die Einwohner der Deutschen Demokratischen Republik an Besuchen der Bundesrepublik Deutschland oder dem dauerhaften Verlassen in Richtung Westen. Zu ihr zählte nicht der Teil der Grenze der DDR zu Berlin, dessen Westsektoren innerhalb Berlins ab 1961 mit der Berliner Mauer abgesperrt waren.“ Als wenn es seit 1949 keine zwei deutschen Staaten BRD und DDR gegeben hätte, die die Folge der Spaltung Deutschlands durch die USA und ihrer westdeutschen Politik-Vasallen wie Adenauer war. Stalin, die Sowjetunion, die deutschen Kommunisten, viele Bürger in West- und Mittel-Deutschland und immer wieder die DDR hatten sich bis 1961 wiederholt um eine deutsche Einheit vergeblich bemüht. Alle Vorschläge für die Herstellung eines einheitlichen Deutschlands wurden abgelehnt. Jetzt war im August 1961 endlich damit Schluß, doch die westdeutschen Medien und Politiker sprechen aber bis heute von einer „innerdeutschen Grenze“ und dem „Mauerbau“ in Berlin, die die DDR-Diktatur gegen ihre Bürger errichteten, damit sie die Menschen besser einsperren, überwachen und kontrollieren konnte ….
  • Der Begriff „Mauer“ ist vom Westen propagandistisch clever gewählt, weil damit alles Negative und Abwertende über die DDR, ihre Führung und über die werktätigen Gestalter des sozialistischen Deutsch-Landes gesagt, assoziiert und immer wieder ins Unterbewußtsein eingehämmert wird. Die „bösen Kommunisten“ im Osten haben damals plötzlich eine Mauer zum Westen (in Berlin) aufgebaut, eine Grenze gezogen, die Familien und die Menschen in Ost- und Westberlin getrennt und in ihrem Leid zurück gelassen, so daß keiner mehr aus der DDR so einfach in den Westen abhauen konnte und alle DDR-Bürger jetzt eingesperrt waren. Die DDR hat dreist und ohne Zustimmung des Westens ihre Grenze zum erbitterten Feind in Westdeutschland und in den USA geschlossen, dabei war seit 1948 Berlin in vielen Hinsichten schon längst eine geteilte Stadt.
  • Der Begriff  „Mauer“ ist vom Westen manipulatorisch klug gewählt, weil eine „Mauer“ doch keine Grenze oder bewaffnete Grenzsicherung eines Landes oder klare Abgrenzung zweier gegensätzlicher Gesellschafts-Systeme ist, kein Schutz und gleich gar nicht ein Schutz vor alten und neue Faschisten im Westen Deutschlands und überhaupt kein massives Stoppschild gegenüber den westlichen Vorbereitungen des militärischen Rollbacks der DDR durch die NATO. Eine Mauer ist doch kein Schutz vor weiterer Ausblutung der DDR und vor Infiltration oder Vorbereitung von Regierungs-Umstützen. Der Begriff  „Mauer“ sucht doch nur noch nach einer Vorstellung … Ist sie aus Ziegeln oder Beton? Kann man die bunt bemalen?
  • Der Begriff „Mauer“ wird dann folgerichtig clever assoziiert mit weiteren schlimmen Begriffen wie „Todesstreifen“, „Flüchtlinge„, „Grenzschußanlage“, mörderische Selbstschussanlagen oder „Todesautomaten“ an der DDR-Grenze

Die „Mauer“ in den Herzen und Köpfen der Menschen

Schließlich gibt es bis heute noch eine „unsichtbare Mauer“ zwischen Osten und Westen, zwischen Ossis und Wessis. Dieser „mentale und soziale Unterschied“ zwischen Menschen aus dem Westen und der Mitte Deutschlands ist bei etwa 20 bis 25 %  der Gesamtbevölkerung der größer gewordenen BRD zu finden.

Die Ursachen dafür liegen  einerseits in der geschichtlich deutlichen Auseinander-Entwicklung beider Hälften eines ursprünglichen deutschen Volkes.

Aber andererseits haben die Herrscher des BRD-Systems ein großes Interesse an der Beibehaltung der Unterschiede zwischen West und Ost/Mitte (nicht nur diffamierenderweise bei den Löhnen und Renten für die „Ossis“), denn seit Jahrtausenden beherrschen sie Gesellschaften nach dem Prinzip „Teile und Herrsche“.

Beispiele für die heutigen, klaren Unterschiede zwischen West und Ost (Mitte) (2019: „Ossis, Wessis oder Deutsche – wie gespalten ist unser Land?„)

  • “Wir sind anders sozialisiert”
  • “Die Städte sterben langsam weg.“
  • „Die Einzigen, die da noch sind, das sind Neonazis.”
  • Der Wegzug von jungen Leuten ist ein großes Problem für Ostdeutschland.

Eine Untersuchung 2018 zu Ost-West-Unterschieden erbrachte u.a.

  • „Den (älteren) Ostdeutschen ist ein Aussiedler, Italiener, Türke oder Asylbewerber als Nachbar deutlich weniger lieb als den Westdeutschen.“
  • „Auch das Vertrauen in demokratische Institutionen ist im Osten geringer ausgeprägt.“
  • Generell sei die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement im Osten geringer.
  • Die Beteiligung an Wahlen ist in den ostdeutschen Ländern niedriger als in Westdeutschland,
  • Die Erwartung an den Staat seien dagegen größer.

Hans Fricke.

Die Politik der Bundesregierung zur Herstellung einer wahren Einheit des vor fast zwei Jahrzehnten staatlich vereinigten Deutschlands hat nachweislich versagt. Es ist weder gelungen, den als Folge der Teilung Deutschlands durch die westlichen Alliierten mit aktiver Unterstützung westdeutscher Politiker im Jahr 1949 und des kalten Krieges gezogenen tiefen Graben zwischen West und Ost zuzuschütten, gegenseitige Vorbehalte abzubauen und das Zusammenwachsen von Ost und West wirksam zu fördern, was den Hamburger Oberstaatsanwalt a.D. Dietrich Kuhlbrodt laut Jungle World 43/2004 zu der Feststellung veranlasste: „In den Köpfen der Westländler ist sie längst wieder eingebaut – die Grenze.“ Es ist auch nicht gelungen (weil es offensichtlich politisch nicht gewollt ist), die Hunderttausenden nach 1990 aus politischen Gründen aus ihrer Arbeit verdrängten und gesellschaftlich ausgegrenzten DDR-Bürger wieder als gleichberechtigte Bürger voll zu integrieren und gleiche Lohn- und Lebensverhältnisse sowie Rentengerechtigkeit für ganz Deutschland herzustellen. Noch immer gibt es eine unterschiedliche Behandlung von Bürgern der Alt-BRD und Bürgern im angeschlossenen Teil, und noch immer fühlt sich eine Mehrheit der Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse. Die von der Bundesregierung immer wieder angeführte „Begründung“, die finanziellen Mittel für die Herstellung von Rentengerechtigkeit und die Überwindung anderer finanzieller Benachteiligungen Ostdeutscher würden nicht zur Verfügung stehen, hat sich angesichts des nach Ausbruch der Bankenkrise von der Bundesregierung sofort bereitgestellten „Rettungsschirmes“ in der sagenhaften Höhe von mehreren Hundert Milliarden Euro für Banken, die sich verzockt haben, als verlogene Ausrede erwiesen.

http://www.schattenblick.de/infopool/geist/meinung/gmez0002.html

Ressourcen:

ULB – Und nun vereint an die Arbeit!

 

DDR: Berliner Mauer - DDR - Geschichte - Planet Wissen

Jedes lebendige Wesen, wie jeder Mensch und auch jeder Staat, muß seine Grenzen zu anderen Wesen und Nachbarn klar definieren und wirksam schützen. Das galt auch für die DDR gegenüber dem feindlichen Westen. Aber dies wird der DDR und ihrer besonnenen Führung im Fall des Baues der „Berliner Mauer“ 1961 bis heute abgestritten, weil die West-Propagandisten von den damaligen Kriegs-Plänen und aggressiven Handlungen ablenken wollen, weil schon 1961 die DDR wieder „Heim ins Reich“ befreit werden sollte.

Die völlige Schließung der Grenze der DDR zu West-Berlin und darüber zur BRD war am 13.8.1961 eine längst fällige Entscheidung.

Die Schließung der Grenze zu Westberlin stellte historisch ganz offensichtlich einen  „Antifaschistischen Schutzwall“ zur Sicherung des Friedens dar. Es war eine klare Niederlage für die westdeutschen Imperialisten.

  • Die Gefahr des militärischen Überrollens („Roll back“) seitens des USA-geführten Westens bestand für die DDR real.
  • Die USA nutzten die westdeutschen Faschisten bzw. die wieder aktiven Nationalsozialisten für ihre globalen Ziele, so wurde Westdeutschland zum militarisierten Brückenkopf gegen die DDR und die anderen sozialistischen Staaten aufgebaut.
  • Die Strategie des deutschen Imperialismus zielte auf einen begrenzten Krieg – in nazistischer Blitzkriegsmanier – gegen die DDR.
  • Die militärischen Vorbereitung zur Veränderung des Status quo in Europa, in Deutschland und in Berlin liefen in West-Deutschland in in der Ostsee auf Hochtouren.
  • Der Kern des Kalten Krieges und der Subversion gegen den Sozialismus in der DDR befand sich damals auf dem Höhepunkt.
  • BRD-Kanzler Konrad Adenauer: „Die Aufgabe (heißt) nicht Wiedervereinigung sondern Befreiung.“
  • BRD-Experte für strategische Fragen Alfons Dalma: („Wehrkunde“, München, 1961, Heft 8, S. 392 ff.): Die DDR mit „kleinem Krieg“ in einer Zange zerquetschen.
  • BRD-Verteidigungsminister Franz Josef Strauss:  „Der 2. Weltkrieg ist noch nicht zu Ende …“
  • Ex-Nazigeneral und General der Bundeswehr Adolf Heusinger in „Neue Zürcher Zeitung“ vom 30. Juni 1961: Die sieben deutsche Divisionen seien bereit, „… unverzüglich jede Mission zu erfüllen“.
  • Die Bundeswehr im Sommer 1961: Einberufung von Reservisten, USA mit Präsidenten-Befehl vom 25. Juli 1961: Einberufung von 271 000 Reservisten für die Verstärkung der US-Streitkräfte.
  • Aufmarsch Bundeswehr und Bundesmarine an den DDR-Grenzen
  • Graue Pläne orientierten auf den Tag X
  • Am 6. Juli 1961: Bundesregierung will eine spezielle Behörde für die Beseitigung des sozialistischen Eigentums und die Wiederherstellung der Macht der Monopole über die Industrie der DDR schaffen. Dies konnte erst 1990 als „Treuhandanstalt“  realisiert werden.
  • Regierende Bürgermeister von Berlin (West) Ernst Reuter: „Wir sind der Pfahl im Fleisch der Sowjetzone“
  • Frontstadt-Sumpf (RIAS) und Schwindelkurse (Abfluß der DDR-Währung in unvorstellbarer Höhe)
  • Sabotage, Spionage, Diversion, Subversion, Terror und Menschenhandel gegen die DDR

siehe: Zur Strategie des deutschen Imperialismus der Vorbereitung eines begrenzten Krieges gegen die DDR (Unsere Zeit – Zeitung der DKP, Nr. 29 v. 20.07.2001)

Diese Wahrheiten zeigen die Aggressivität des kapitalistischen Imperialismus und die Härte des Klassenkampfes zwischen den Systemen in jenem Zeitraum. 
Der „Mauerbau“ war 1961 offensichtlich ein nötiger Schutz des Sozialismus vor der Vernichtung durch den räuberischen Kapitalismus und eine Friedensgarantie für die Zeit seines Bestehens.

Die DDR stellte mit dieser vollständigen Grenzsicherung zur BRD ganz klar:

  • Diese Grenze wird von einem souveränen Staates „DDR“ (und ihrer Verbündeten) geschlossen.
  • Damit wurden die Hoffnungen und Vorschläge der deutschen Sozialisten für eine Wieder-Vereinigung Deutschlands und einen Friedensvertrag mit Deutschland endgültig begraben.
  • Die DDR-Grenze bildetet die Front zwischen gegensätzlichen Gesellschafts-Systemen und Militärblöcken.
  • Damit erfolgte die Abgrenzung von fortgesetzter Ausbeutung und Unterdrückung, von Not und Elend im Westen.
  • Die DDR grenzte sich klar ab von dem Teil Deutschlands, in dem die alten Nazis wieder zu Ehren und hohen Funktionen kamen und zugleich die Kommunisten verboten wurden.
  • Diese DDR-Grenze wird gegenüber allen Grenzverletzern militärisch präzise geschützt.
  • Keine Reisefreiheit für die Bundeswehr!
  • Die konsequente Umsetzung des Potsdamer Abkommens!

Die geschlossene Grenze der DDR zum Westen förderte zugleich

  • die Gestaltung einer humanistischen Alternative zum Kapitalismus;
  • eine Wohlstands-Entwicklung in der DDR

DDR-Schriftsteller Stephan Hermlin an die West-Kollegen Wolfdietrich Schnurre und Günter Grass (August 1961)

„Das Unrecht vom 13. August? Von welchem Unrecht sprechen Sie? Wenn ich Ihre Zeitungen lese und Ihre Sender höre, könnte man glauben, es sei vor vier Tagen eine große Stadt durch eine Gewalttat in zwei Teile auseinandergefallen. Da ich aber ein ziemlich gutes Gedächtnis habe und seit vierzehn Jahren wieder in dieser Stadt lebe, erinnere ich mich, seit Mitte 1948 in einer gespaltenen Stadt gelebt zu haben, einer Stadt mit zwei Währungen, zwei Bürgermeistern, zwei Stadtverwaltungen, zweierlei Art von Polizei, zwei Gesellschaftssystemen, in einer Stadt, die beherrscht von zwei einander diametral entgegengesetzten Konzeptionen des Lebens. Die Spaltung Berlins begann Mitte 1948 mit der bekannten Währungsreform. Was am 13. August erfolgte, war ein logischer Schritt in einer Entwicklung, die nicht von dieser Seite der Stadt eingeleitet wurde.

Aber ich gebe den Maßnahmen der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik meine uneingeschränkte ernste Zustimmung. Sie hat mit diesen Maßnahmen, wie sich bereits zeigt, den Anti-Globke-Staat gefestigt, sie hat einen großen Schritt vorwärts getan zur Erreichung eines Friedensvertrages, der das dringendste Anliegen ist, weil er allein angetan ist, den gefährlichsten Staat der Welt, die Bundesrepublik, auf ihrem aggressiven Weg zu bremsen. (http://www.dreizehnter-august.deAus: Unsere Zeit – Zeitung der DKP, Nr. 32 v. 10.08.2001)

Die heutige offizielle Bewertung zum „Mauerfall“:

„Der Mauerfall ebnete den Weg, der innerhalb eines Jahres zum Zusammenbruch der SED-Diktatur, zur Auflösung der DDR und gleichzeitig zur staatlichen Einheit Deutschlands führte.“(https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Mauer)

„…ein entscheidendes Ereignis in der Weltgeschichte , die das Abfallen des markierten Eisernen Vorhangs und dem Beginn des Sturzes des Kommunismus in Ost- und Mitteleuropa. Der Fall der innerdeutschen Grenze erfolgte kurz darauf. Drei Wochen später wurde auf dem Malta-Gipfel das Ende des Kalten Krieges erklärt , und die Wiedervereinigung Deutschlands fand im folgenden Jahr statt.“ (https://engine.presearch.org/search?q=Mauerfall)

Von der DDR kontrollierte Öffnung der Grenzen zum Westen

Text zum Video von Geschichtsstunde:

Mauerfall Berlin 9.11.1989 (unkommentiert) Zeitgeschichte live

Die Berliner Mauer „fiel“ in der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag, den 10. November 1989, nach über 28 Jahren ihrer Existenz. Die Vorbereitung einer von Seiten der DDR-Regierung kontrollierten Öffnung der Mauer begannen bereits im Oktober 1989:
  • Walter Momper, damals Regierender Bürgermeister von Berlin, wusste nach eigenen Angaben seit dem 29. Oktober davon aus einem Gespräch mit Ost-Berlins SED-Chef Günter Schabowski und Ost-Berlins Oberbürgermeister Erhard Krack und traf seinerseits entsprechende Vorbereitungen für eine Öffnung der Mauer im Dezember 1989.
  • Am Vormittag des 9. November erhielt sein Staatssekretär Jörg Rommerskirchen von einem Journalisten der Bild-Zeitung, Peter Brinkmann, einen vertraulichen Hinweis, dass es noch an diesem Tag zu einer Öffnung der Mauer kommen werde, worauf man in West-Berlin im Eiltempo entsprechende Vorbereitungen traf.

Enrico Komning/AfD: „Nach der Party kam die Katerstimmung.“

Diskussion im Bundestag am 27.09.2019 zum Bericht des Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer von Christian Hirte (CDU/CSU) zum Stand der Deutschen Einheit 2019:

  • Der Osten sei ausgeblutet.
  • Die wirtschaftlichen Probleme seien immer noch immens.
  • „Gleichwertige Lebensverhältnisse sind von der Bundesregierung nicht gewollt.“