Sergej Lawrow: DDR wurde annektiert und ausgeraubt!
Lawrow-Hammer: DDR wurde annektiert und ausgeraubt!
«Es gab keine Wiedervereinigung» – Dieser Satz von keinem Geringeren als dem russischen Außenminister sorgt für Aufsehen. Sergei Lawrow greift die BRD scharf an und zählt zahlreiche Fakten auf, welche die Bundesrepublik nur zu gerne zensieren würde. Gemeinsam mit Peter Feist stellt COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer das sensationelle Interview auf den Prüfstand.
Sowas gab es noch nie, ist das Thema der heutigen Sendung. Bleiben Sie dran bis zum Schluss, dann erfahren Sie auch noch etwas über die positiven Elemente der Beziehung DDR-UDSSR. Ja, mit mir im Studio Peter Feist, gelernter DDR-Bürger und gelernter und studierter DDR-Philosoph, glaube ich der ideale Gesprächspartner in diesem Zusammenhang.
Bevor wir über das Ende der DDR sprechen und was da alles an, auf Deutsch gesagt, Schweinereien gelaufen ist, wollen wir auch noch mal zu den positiven Seiten der DDR kommen und hier haben wir eingeblendet einen der bekanntesten DDR-Menschen, Sigmund Jähn, zusammen mit Juri Gargarin, Teil des Interkosmos-Programms DDR-UDSSR und wir haben als Kompakt eine Münze, eine Medaille gemacht, den feinsten Silber, zu diesem großartigen Mann, dem ersten deutschen im All, durch die Verbindung mit den Sowjets wurde das erreicht, das soll schon mal vorangestellt werden, bevor wir jetzt kommen zum Interview, was Lavrov es gerade im iranischen Staatsfernsehen gesagt hat. Es gab eine solche Betrachtung in der Geschichte unserer Lande, aber damals nannte sie sich Sowjetunion. Und in den letzten Jahren der Sowjetunion gab es eine Betrachtung, auch in Bezug auf die Deutsche Demokratische Republik, die einfach auf die Föderalistischen Republiken in Deutschland und die Regierungen der Föderalistischen Republiken in Deutschland, einfach als Krieger.
Sie haben alle Länder der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik unter ihren Kontrollen genommen, alle politischen Akteure aus der Straße geflüchtet, ihnen gab es keines Zukunftsmodells, also war es eine Beziehung, es war keine Vereinigung. Und das, was die ehemaligen Deutsche Demokraten jetzt völlig anders betrachten, das, was passiert, ist ziemlich bezeichnend. Es war eine Fehlerung und eine Betrachtung vonseiten des Sowjetunions, von ihren Partnern, als fast eine halbe Million Soldaten, als fast eine halbe Million Soldaten ohne irgendeine Kompensation, als die Möglichkeit, ihre Präsenz in der östlichen Teilen der Vereinigten Deutschland zu behalten, ignoriert wurde.
Wir erinnern uns an all das, aber natürlich haben die Regierungen der ehemaligen Westdeutschen Deutschland eine kolossale Fehlerung gemacht, als sie zu ihren Partnern nach der Beziehung der östlichen Teilen des Sowjetunions betraten, sie betraten sie als zweiter Art. Peter, du warst Zeitzeuge bei dem, was er als Annexion durch die Eroberer aus der BRD bezeichnet. Annexion, feindliche Übernahme, Anschluss, Angliederung, all diese Worte sind ja damals gefallen.
Wir sind eigentlich mit Stolz der hohenden Haupt in die Wiedervereinigung gegangen, weil wir hatten ja eine Revolution gegen eine Diktatur gemacht und das hat bis heute die BRD-Gesellschaft niemals ernsthaft angenommen. Es wird ja sogar, wie die Bürgerrechtler immer wieder zu Recht darauf hinweisen, diese Revolution kleingeredet, weil man nicht über Revolutionen reden will. Ich erinnere mich noch gut, dass die Sowjetunion immer sehr stolz darauf war, dass sie sich auf völkerrechtliche Verträge sehr genau eingehalten hat.
Zum Beispiel, wenn es um den Sommer 1941 ging, Überfall auf die Sowjetunion, wurde immer betont, dass noch am Tag vor dem Überfall die Transportzüge aus der Sowjetunion nach Deutschland geholt sind, um die Abkommen einzuhalten. Also Vertragstreue war ein hoher Wert. Was ich nicht ganz verstehe bei Lavrov, er spricht davon, dass die Sowjetunion die DDR verraten hat.
Ich würde sagen, es war Gorbatschow und seine Gruppe, denn wenn wir uns daran erinnern, es gab ja diesen Putsch gegen Yeltsin oder gegen Gorbatschow, durch den Yeltsin an die Macht gekommen ist. Im August 1991. Und man weiß, dass die Putschisten unter anderem geputscht haben, weil die Generale gesagt haben, wir dürfen die Kriegsbeute nicht einfach kampflos preisgeben.
Entschädigungslos stimmt nicht ganz. Es gab eine lächerliche Entschädigung für den Abzug der russischen Truppen, aber die ist mit Paraden gefeiert worden, unter großer Beteiligung auch der ostdeutschen, also der DDR-Bürger ehemaligen. Sag ich selber schon ostdeutsch.
Und es war eine wehmütige Situation, denn sie gehörten ja zum Lebensalltag in der DDR. Wir haben ja heute noch die Militärstadt Wünsdorf vor den Toren Berlins, die größte Militärstadt der Welt, wo viele Zeugnisse daran erinnern. Aber was viel wichtiger ist, die anderen Mächte sind eben nicht abgezogen.
Matthias Platzek hat mal zum Jubiläum des Abzugs der russischen Streitkräfte in Wünsdorf gesagt, die Sowjetunion ist damals in eine Vorleistung gegangen und konnte mit Recht eine Gegenleistung erwarten und die hat Deutschland nie gebracht. Ja, es gab einige Zahlungen, ich glaube 12 Milliarden gab es für Moskau von deutscher Seite, allein schon die riesigen Militärgrundstücke, die dann die BRD in Besitz genommen hat. Es gab zwei Sachen, es gab einen Kredit, weil die ja pleite waren und es gab einen Fonds, wo Deutschland in der Sowjetunion für die Offiziere und Berufssoldaten an den dortigen neuen Standorten Wohnungen gebaut hat.
Das war die Kompensation. Aber jedenfalls hat sich natürlich die damalige Sowjetführung komplett über den Tisch ziehen lassen und du hast schon den Verantwortlichen genannt, damalige Staatspräsident Gorbatschow. Er wird in Deutschland bis heute hoch geschätzt.
Natürlich, er hat den Rückzug der Roten Armee eingeleitet und damit die Vorleistung erbracht, aber aus russischer Sicht hat er natürlich alles verschenkt. Ja, er und Daschischew, das ist ja der Mann hinter ihm, wo wir heute wissen, dass der von der CIA gelenkt wurde. Wir waren ja damals alle Gorbatschow-Jahner.
In der SED, die progressiven Leute, die in Veränderung wollten, waren begeistert von ihm, bis 87, 88 plötzlich zu merken, weil hier stimmt irgendwas nicht mehr. Es stimmte einerseits nicht mehr, dass die SED von ihrem jahrzehntelangen Slogan von der Sowjetunion als Siegenland abgegangen ist. Das hat in der Partei für maximale Verwirrung gesorgt.
Und umgekehrt merkte man auch, man hörte das von Leuten, die in der Außenpolitik aktiv waren, die Russen haben uns aufgegeben. Also es gibt so ein Buch von dem Gewerkschaftsvorsitzenden Tisch, Memoran aus dem Jahr 1990, wo er sagt, wir wussten eigentlich schon seit 84, 85, dass uns die Russen Preis geben wollen. Verschwörungstheorien gibt es ja darüber jede Menge.
Ich weiß aus persönlichen Erzählungen und Gesprächen, zum Beispiel mit dem letzten Oberkommandieren der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, dass die alle unglücklich waren mit dieser Situation, dass Erich Honecker nach Moskau flüchtet und dann ausgeliefert wird, dass der sandinistische Präsident ist ins Knast gegangen zu Erich Honecker. Gorbatschow war ein paar Mal in Berlin, hat aber Honecker nicht im Knast besucht. Das waren alles Sachen, die die Leute massiv verärgert haben.
Und dass jetzt ein russischer Außenminister diese historische Schuld benennt, das ist wirklich sensationell. Es war ja damals die Lage so, dass die Sowjets unter Gorbatschow, Helmut Kohl als damaligem Kanzler viel mehr entgegengekommen sind als die Westmächte. Von Mitterrand und Maggie Thatcher wissen wir, dass sie strikt gegen die Wiedervereinigung waren.
Und wir wissen auch von Oskar Lafontaine, damals der Kanzlerkandidat der SPD, dass er eher einer Konföderation zugestimmt hätte, weil er schon richtig voraussah, dass die DDR unter die Räder kommt, jedenfalls ökonomisch. Und nach 1990 ist ja auch ein Buch veröffentlicht worden, glaube 1991, wo über diese Konföderationsverhandlungen, die es ja zwischen der DDR und der BRD schon unter der Hand mehrere Jahre gab, wo ernsthaft über eine Konföderation gesprochen worden ist, das alles veröffentlicht worden ist. Dazu hat sich ja Bonn nie geäußert.
Ich erinnere mich noch gut, im September 89 gab es eine Talkshow, was im DDR-Fernsehen ganz was Neues war. Und Otto Reinhold, der Chefideologe der Partei, einer der Chefideologen, der Chef der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK, der SED, hat in dieser Talkshow den klaren Satz gesagt, ohne Sozialismus hat die DDR keine Existenzberechtigung. Und das wussten auch die Sowjets.
Also wenn das sozialistische System fällt, dass dann die DDR als eigener Staat keine Zukunft hat. Und man kann nicht sagen, sie haben es forciert, aber sie haben es geschehen lassen. Man kann natürlich auch sagen, die DDR-Bürger haben in der ersten Freien Reichskammerwahl im März 1990 im Grunde für die Wiedervereinigung gestimmt, weil die haben den CDU-Ableger Allianz für Deutschland mit fast absoluter Mehrheit gewählt.
Und so kann man sagen, okay, Verrat ist das falsche Wort, sondern Gorbatschow hat eben sozusagen anerkannt, dass das deutsche Volk oder in dem Fall das Volk der DDR entsprechend seinen Weg wählt. Da gibt es auch keinen Zweifel dran, dass die Mehrheit des Volkes das wollte. Ich erinnere immer gerne daran, wenn man heute Dokumentationen über die Wendezeit sieht, dann kommt immer, wir sind das Volk, das war diese emanzipatorische Losung, die Zurückforderung der Volkssouveränität und dann geht das nahtlos über in, wir sind ein Volk.
Das stimmt aber nicht. 14 Tage lang wurde auf der Demonstration was anderes gesagt, nämlich keine Experimente. Das sollte heißen, wir wollen keinen neuen Anlauf für einen anderen Sozialismus.
Wir haben vom Sozialismus endgültig die Schnauze voll. Das ging ja bis weit in die Partei hinein. Die Genossen haben ja auch alle gesagt, so geht es nicht weiter, so kann es nicht weitergehen.
Ich glaube, dass damals die Mehrheit der DDR-Bürger, aber auch der Westdeutschen, die Wiedervereinigung wollte, aber halt auf Augenhöhe. Und Wolfgang Harig, der DDR-Präsident, der acht Jahre unter Ulbricht gesessen hat, dem man also nicht nachsagen kann, er sei ein DDR-Fan, hatte dann die Alternative-Enquete-Kommission Zeitgeschichte gegründet, um das aufzuarbeiten, was die DDR an Negativen und an Positiven hat. Das ist ein ungehobener Schatz.
Tausende von Bürgern haben sich daran an der Arbeit der Enquete-Kommission beteiligt, hunderte von Wissenschaftlern, um zu sagen, wir müssen in diese deutsche Einheit unsere DDR-Sicht einbringen. Nicht dieser blöde Satz, es war nicht alles schlecht, sondern man muss differenziert bewerten, was waren russische Vorgaben, was sind welthistorische Einflüsse, was hat die SED selber falsch gemacht und so weiter. Meine Clou war ja, die DDR-Bürger haben in der Volkskammerwahl im März 1990 mehrheitlich, mit großer Mehrheit, die Wiedervereinigung oder den Anschluss gewählt.
Gleichzeitig die BRD-Bürger, da gab es auch zwei sehr interessante Wahlen im April 1990 in Niedersachsen mit dem Kandidat Gerhard Schröder und im Saarland mit dem Kandidat Oskar Lafontaine. Beide wollten keine schnelle Einheit, keine Währungsunion und eher eine Konföderation. Und dafür haben diese beiden SPD-Kandidaten in Niedersachsen und Saarland große Wahlerfolge eingefahren.
Also man könnte sagen, die Ostdeutschen wollten es, in der BRD war große Skepsis, man wollte eigentlich das nicht unbedingt. Naja, man kann heute aus dem historischen Rückblick sagen, dieses Überstülpen der BRD über die DDR-Verhältnisse war einfach falsch. Man hätte sich mehr Zeit lassen müssen, die Dinge geordnet zueinander führen über eine Phase der Konföderation von zwei, drei Jahren und dann staatliche Einheit.
Das kann man heute mit dem Abstand sagen. Und man darf auch etwas nicht vergessen, was die Ostdeutschen oder DDR-Bürger bis heute massiv stört. Es gab das Versprechen einer neuen gemeinsamen Verfassung im Grundgesetz, bei einer Wiedervereinigung.
Und dieses Verfassungsversprechen ist ja nicht eingehalten worden. Also es beginnt mit dem Verrat am Grundgesetz, diese Wiedervereinigung. Und ich höre das immer wieder in Gesprächen.
Man hätte damals mit uns auf Augenhöhe über eine neue Verfassung, eine wirkliche Verfassung und nicht bloß ein Grundgesetz verhandeln müssen. Ok. 3. Oktober 1990 wurde die Einheit vollzogen.
Und dann kam aber sehr schnell die wirtschaftliche Ausplünderung des Ostens oder der DDR durch die neuen Machthaber in der BRD. Von dem, wovon auch Lavrov in dem Interview sprach. Und da fällt natürlich das Stichwort Treuhand.
Und da haben wir jetzt einige Einspieler übrigens aus dem westdeutschen Fernsehen, also aus der ARD. Roweda schätzt den Wert der DDR-Wirtschaft zunächst optimistisch ein. Der ganze Salat ist 600 Milliarden D-Mark wert.
Der Substanz wert der DDR, eine riesige Summe. Dabei ist nicht einmal der Immobilienbesitz der Firmen mitgerechnet. Wenige Jahre später wird die Treuhandanstalt über 250 Milliarden D-Mark Schulden hinterlassen.
Ja, also 600 Milliarden ist der ganze Salat wert. Damit meinte dieser Herr Roweda, der an der Spitze der Treuhand stand am Anfang, den Wert des Staatsvermögens ohne Immobilien. Und wenn die Treuhand es verkauft hätte, dann hätten ja zumindest 600 Milliarden oder wenigstens 300 Milliarden reinkommen müssen.
Aber es kam gar nichts rein, sondern es kamen noch Schulden, die dann gezahlt werden mussten durch den Steuerzahler. Ja, wenn du dir überlegst, dass zur Verwaltung von 600 Milliarden Einnahmen 250 Milliarden Schulden gemacht worden sind, dann heißt das, es gab eine unvorstellbare Korruption. Das ist ja nicht zu erklären.
Es gibt kein anderes Beispiel in der deutschen und europäischen Wirtschaftsgeschichte, dass ein solcher Raubzug schon mal da gewesen wäre. Ein Land ist unter die Räuber gefallen, haben wir damals gesagt, und das stimmt. Wir haben ja nicht nur die Reparation für ganz Deutschland bezahlt, die DDR-Bürger, sondern wir sind das zweite Mal richtig ausgeplündert worden in diesem Raubzug.
Da gibt es manche Westdeutsche, die sagen, dafür haben wir aber die ganze Zeit Soli-Beitrag bezahlt, um euch wieder hochzuhelfen. Das kann man ja mal gegenrechnen, da kommt eine negative Bilanz raus. Ja, wir haben jetzt ein Beispiel, wie das lief anhand eines Betriebes in Berlin.
Hans-Peter Gundermann, Manager aus der westdeutschen Erdölindustrie, soll die gesamte Energiewirtschaft der DDR als Generalbevollmächtigter privatisieren. Eine der Firmen, die Gundermann privatisieren soll, ist der Wärmeanlagenbau Berlin, WBB, der größte DDR-Betrieb für Heizkraftwerke und Fernwärmetrassen. WBB produziert außerdem Heizgeräte für den Haushalt.
Im Sommer 1990 besitzt Wärmeanlagenbau Berlin, WBB, Immobilien im Wert von 38 Millionen D-Mark, ein Barvermögen von 153 Millionen D-Mark, ein Teil davon Vorauszahlungen von Kunden. Bei Schulden von 31 Millionen ergibt sich ein Substanzwert von rund 160 Millionen D-Mark. Außerdem erwartet WBB Einnahmen aus Altaufträgen in dreistelliger Millionenhöhe.
Ein solides Unternehmen, fit für den Markt? Die Treuhand sieht das völlig anders. Ja, das behalten wir im Hinterkopf. 160 Millionen D-Mark, also nicht DDR-Mark, sondern D-Mark, ist das Vermögen dieser DDR-Firma im Sommer 1990.
Und jetzt schauen wir, was passiert. Er profitiert davon. Der westdeutsche Geschäftsmann Michael Rottmann.
Für den Wärmeanlagenbau mit 1200 Beschäftigten und wertvollen Immobilien zahlt er gerade einmal 2 Millionen Mark. Ja, 160 Millionen wert. Er kriegt es für 2 Millionen.
Das sind 1,3 Prozent. Ich kann ein Beispiel aus meiner persönlichen Geschichte erzählen. Wir haben damals Reiseführer produziert, zusammen mit dem Greifen Verlag in Ruderstadt.
Ein kleiner, feiner, Minischen Verlag. Dann kaufte das ein Wessi für eine lächerliche Summe, die noch nicht mal der Gesellschafter wert war. Und nach einem Vierteljahr war der Verlag pleite.
Er hatte ein schickes Auto. Er hat seine nicht bezahlten Grundstücke im Westen saniert. Und der Verlag war pleite und ist runtergegangen.
Und wir hatten unsere Manuskripte für den Wind produziert. Ja. Ich glaube, solche Beispiele gibt es tausendfach.
Also der Raubzug via Treuhand durch BRD-Kapitalisten oder Bürokraten ist, glaube ich, offensichtlich. Und es gibt ja genügend Aktenmaterial und Aufarbeitungssachen. Aber es ist ja niemand zur Verantwortung gezogen worden.
Weder ein Treuhand-Präsident oder eine Präsidentin noch ein Wirtschaftsminister sind jemals für diesen zerstörerischen Raubzug juristisch belangt worden, obwohl sie ja unvorstellbaren Mengen Volksvermögen verleutet haben. Die Nachbarländer haben es ja zum Teil anders gemacht. Die haben Volksaktien ausgegeben, um das ehemalige Volkseigentum sozusagen zu privatisieren.
Bei uns ist das Volk enteignet worden von den Sachen, die in den 40 Jahren DDR aufgebaut worden sind. Ja. Ich meine, man muss vielleicht nochmal über Detlef Rohwedder sprechen, den wir am Anfang gesehen haben, den ersten Chef der Treuhand.
Der wurde ja ermordet und die offizielle Geschichte heißt ermordet durch die RAF, die ihn bestrafen wollte eben für die kapitalistische Ausplünderung der DDR. Aber es gibt auch eine andere Theorie, dass er eben ermordet wurde, weil er die Privatisierung sanfter machen wollte. Und dann kam seine Nachfolgerin, die Frau Brigitte Breul, und die hat dann richtig das Messer angesetzt und das Blut spritzen lassen.
Und in dieser zweiten Theorie war der Mord eher von, ich sag mal, amerikanischer Seite gemacht und die RAF war nur der… Dann sagen wir erstmal neutral Inside-Job. Inside-Job, ganz genau, ja. Es gab ja damals zwei Linien.
Die eine Linie sagte Entschädigung vor Enteignung. Und dann gab es die umgekehrte Linie Enteignung ohne Entschädigung. Und der Rohwedder stand eben für die realistischere Linie.
Man hat sich für das Radikalkonzept entschieden. Ich denke nur an die vielen hundert Prozesse, die geführt worden sind von DDR-Bürgern, weil sich Häuser gebaut hatten auf Grundstücken, die im Westen lebende Menschen im Grundbuch eingetragen waren. Und dann gibt es das tragischste Schicksal, wenn man in DDR-Zeiten ein Haus gebaut hat.
Das war ja ein Abenteuer ohne Ende. Und dann mussten die ihre Häuser verlassen, weil die Grundstücke den Enkeln von irgendwelchen ehemaligen West-Eigentümern gehörten. Und die Rechtsprechung war immer gegen die DDR-Bürger.
Das Beispiel, was du genannt hast, die anderen Oststaaten, Polen, Tschechoslowakei, da gab es natürlich auch da einen ökonomischen Schock. Aber er war abgefedert durch die Volksaktien, die man dann ausgegeben hat. Und nehmen wir mal Polen.
Polen war zu sozialistischen Zeiten in der Wirtschaftskraft immer hinter der DDR. Weit hinter der DDR. Aber trotzdem haben die die Umwandlung sehr viel besser vollzogen und haben ihre Industrie, auch die Kohle, ganz gut erhalten.
Während in der DDR wurde ja die Industrie im Grunde plattgemacht. Man kann es mit einer Zahl sagen, die unbestritten ist. Sechs Millionen Industriearbeitsplätze sind für dauerhaft vernichtet worden.
Und das kann man nicht mehr zurückholen. Ich meine, die Grundsatzfrage, um zu Lavrov zurückzukommen, warum thematisiert er dieses Thema, was jetzt 35 Jahre her ist, warum bringt er das jetzt aufs Tapet? Das ist eine spannende Frage. Also erstmal natürlich, um zu sagen, wir haben es mal gemacht, wir waren mal vertragsbrüchig und sich dafür Selbstkritik abzugeben.
Aber ich glaube auch, um den westdeutschen Herrschenden mal einen Spiegel vorzuhalten, dass sie nicht so demokratisch und so nett und so freundlich sind, wie sie nach außen immer tun. Ich glaube, es ist eine Revanche, weil von westlicher Seite wird ja immer gesagt, die Russen, das böse Russland hat die Krim annektiert und den Donbass annektiert und jetzt spielt er den Ball zurück und sagt, und, was habt ihr annektiert, die DDR? Und wenn man genau hinguckt, haben die ja noch viel mehr als die DDR annektiert. Zum Beispiel, der Zeitung- und Zeitschriftenmarkt in fast ganz Osteuropa ist in Hand von westdeutschen Medienkonzernen.
Besonders deutlich in Polen und in der Tschechischen Republik. Oder jetzt Tschechien, da gehören alle Zeitungen Westkonzernen, also BAD-Konzernen. Gut, also wir haben da eine Wunde im deutschen Volk Ost-West, die seither schwelt und die kam die Woche auch nochmal im Bundestag zur Sprache, nämlich durch Tino Chrupalla, den AfD-Co-Vorsitzenden.
Beim CDU-Parteitag in Magdeburg hat sich Herr Merz mal wieder von seiner ganz charmanten Seite gezeigt, als er sagte, er hätte Glück gehabt, im Westen aufgewachsen zu sein. Und auch hier haben Sie wieder mal etwas falsch verstanden. Gerade wir Ostdeutschen haben uns auf den langen Weg der Integration in ein vereinigtes Deutschland begeben.
Wir wollen nicht die alte Bundesrepublik zurückkehren. Und indem Sie den Bürgern im Osten das Gefühl geben, dass wir für sie weniger wert sind, beweisen sie nur einmal mehr ihr Unvermögen, mit Menschen umzugehen. Und deshalb, Herr Bundeskanzler, deshalb bin ich froh darüber, dass Sie im Westen aufgewachsen sind.
Sie hätten uns im Osten gerade noch gefehlt. In der Wendezeit gab es ja dafür ein Wort. In der Wendezeit gab es ja dafür ein Wort.
Besserwessi. Da kamen uns Leute erklärt, wie man einen Stuhl macht und wie man einen Buchstaben schreibt und so. Die hielten uns ja alle für Volltrottel.
Dabei war gerade auch das Berufsausbildungssystem und die ingenieurwissenschaftliche Ausbildung an den ingenieurwissenschaftlichen Hoch- und Fachschulen wesentlich besser als in der Alt-BRD. Es gibt heute noch Wissenschaftsverlage, die die alten DDR-Lehrbücher für Ingenieure nachdrucken, weil die besser sind als die westdeutschen gleichwertigen Exemplare. Also das war schon zum Teil wirklich peinlich.
Ich habe das auf dem Gebiet der Archäologie ein bisschen miterlebt, wie dann plötzlich hochrenommierte, international berühmte Wissenschaftler kaltgestellt worden sind und irgendwelche Drittklässler aus der BRD von den archäologischen Landesämtern dann kamen und die archäologischen Landesämter im Osten übernommen haben und alles weggestrichen haben, was die DDR-Forschung gemacht hat. Das war schon sehr, sehr bitter. Gut, wir wollen noch mal zu Lavrov kommen, der, ich glaube, im selben Interview noch eine brisante Aussage gemacht hat.
Was absolut ein Zeichen von Rassismus, Nazismus ist. Also die alten Gewöhnungen und die Genen, die Herr Mertz von seinen Nachbarn herrschte, die sterben nicht, sie bleiben. Er sagt, es liegt in den Genen.
Friedrich Mertz liegt ja in den Genen. Rassismus in den Genen, was meinst du dazu? Naja, das wäre jetzt eine extra Kiste, was die Gene machen und was sie nicht machen. Aber man kann zwei Konstanten der deutschen Geschichte der letzten 200 Jahre festhalten.
Die Deutschen sind ein Untertanenvolk und benehmen sich jetzt auch wieder weitestgehend als Untertanen. Das sind eher so Anführer von Verführern. Und das Zweite, was wichtiger ist, es liegt nicht an den Genen, aber es gibt den bösen Satz, am deutschen Wesen soll die Welt genesen.
Und in dieser Tradition handelt Friedrich Mertz. Deutschland als der moralische Übervater, hat schon die grüne, rote Regierung versucht, mit der komischen Frau da, als Außenministerin, die auch meinte, man müsse eine moralinsaure Außenpolitik durchsetzen. Nee, nicht am deutschen Wesen wird die Welt genesen, sondern die Welt wird genesen, wenn das deutsche Wesen zurückgedrängt wird.
Ja, also die Argumentation mit den Genen bei Lafow, die gefällt mir eigentlich überhaupt nicht. Es gibt keine guten und schlechten Völker und keine guten und schlechten Gene der Bösen. Aber es gibt schon gute und schlechte Traditionen.
Ja, die gibt es, aber die werden meines Erachtens nicht über die Gene vermittelt. Und da jetzt böse Völker wie die Deutschen oder die Juden oder die Russen zu konstruieren, das ist immer falsch. Aber es gibt eben eine imperialistische Tradition, die sich durchsetzt in einer bestimmten wirtschaftlichen Lage, dann wird der Ausweg im Krieg gesucht, so war es bei Hitler und so ist es jetzt auch bei Mertz.
Und so war es x-mal in der amerikanischen Geschichte, immer wenn die in größere ökonomische Schwierigkeiten geraten sind, seit dem zweiten Weltkrieg haben sie mal schnell einen kleinen Krieg gemacht. Und es gibt natürlich auch diese Untertanentradition im Volk. Leider Gottes müssen wir sagen, es gab wenige erfolgreiche Revolutionen.
Die von 1989, der DDR-Bürger, ist wahrscheinlich das beste Beispiel, wo es mal richtig gut geklappt hat. Aber vorher war ja immer Rübe runter, bei den Bauernkriegen oder 1848. Auch 1918 lief im Grunde nicht gut ab.
Naja, aber es gab eben diese Tradition, du vergisst den 1813, 1814 gegen Napoleon, wo die deutsche Nation ja praktisch geboren ist. Es gab diese Momente, nur wir haben eine Geschichtspropaganda, die daran überhaupt nicht erinnert. Es wird immer über die böse NS-Zeit geredet, aber über die positiven Momente deutscher Demokratie, wo das Volk versucht hat, die Geschichte in die Hand zu nehmen, wie Bauernkrieg, wie Napoleon, wie 1848, wie 1918.
Die werden ja nicht in den Mittelpunkt der Geschichtspropaganda gestellt. Das war in der DDR übrigens anders. Da wurden die überstasiert, aber sie wurden immer wieder erwähnt.
Also ich glaube, die Haltung von Stalin war eigentlich ganz vernünftig. Er hat gesagt, die Hitlers kommen und gehen, das deutsche Volk bleibt bestehen. Also bei allem, was Stalin Schlimmes gemacht hat.
Aber der Ausdruck zeugt von einem Realismus. Und die Russen wissen auch, zusammen mit den Deutschen hätte man eine super Kombination. Und es wäre sehr schade, wenn sich jetzt eine Konfrontation ergibt, weil wir wieder eine verbrecherische Führung haben.