„Berlin ist am Ende“

„Berlin ist am Ende“ – Warum Berliner die Stadt verlassen 

Die Frage nach Berlin ist sehr erdig und historisch. Berlin hat sich wie kaum eine andere Stadt immer wieder neu erfunden, weshalb „traditionellen“ Assoziationen stark von der jeweiligen Epoche abhängen.

Hier sind wesentlichen traditionellen Bilder, die mit dem „alten“ Berlin (vor der Wiedervereinigung und dem heutigen Hype) verbunden sind:

1. Preußentum & Ordnung (Die Residenzstadt)

Das älteste und beständigste Bild. Berlin als Hauptstadt Preußens und später des Deutschen Reichs.

  • Assoziationen: Pickelhaube, Militarismus, Disziplin, Beamtenstaat, Strenge.
  • Architektur: Das Brandenburger Tor (als Triumphbogen), Unter den Linden, das Stadtschloss (Machtzentrum der Hohenzollern), Gendarmenmarkt.
  • „Berliner Schnauze“: Diese ruppige, direkte Art wird oft als bürgerlicher Gegenpol zur steifen preußischen Etikette gesehen – das „Herz mit Schnauze“.

2. Die „Goldenen Zwanziger“ (Babylon Berlin)

Dies ist vielleicht das stärkste kulturelle Gedächtnis der Stadt, das bis heute nachwirkt.

  • Assoziationen: Exzess, Avantgarde, Kabarett, Jazz, moralischer Verfall, Hyperinflation, politische Straßenschlachten.
  • Atmosphäre: „Tanz auf dem Vulkan“. Eine Stadt, die niemals schläft, geprägt von Josephine Baker, Anita Berber, Brecht und Weill (Dreigroschenoper).
  • Orte: Romanisches Café (Treffpunkt der Intellektuellen), Friedrichstraße, Kurfürstendamm (als Boulevard des neuen Westens).

3. Die Arbeiterstadt & Industrialisierung („Elektropolis“)

Berlin war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert die Industriestadt Europas (neben London).

  • Assoziationen: Mietskasernen (Zille-Milieu), Hinterhöfe, Ruß, Lärm, Siemensstadt, Borsig.
  • Heinrich Zille: Der Zeichner prägte das Bild vom „Milljöh“ – das Proletariat, die Armut, aber auch der Humor der einfachen Leute in den überfüllten Wohnungen.
  • Rote Hochburg: Berlin galt traditionell als „rot“ (SPD/KPD), als Stadt der Arbeiterbewegung.

4. Die Frontstadt (Kalter Krieg & Teilung)

Für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ist dies das dominante Bild.

  • West-Berlin: Eine „Insel der Freiheit“ im roten Meer. Subventioniert, wehrdienstfrei (was viele Künstler und Alternative anzog), David Bowie, Christiane F., Hausbesetzer in Kreuzberg, die „Mauer im Kopf“.
  • Ost-Berlin: Hauptstadt der DDR. Plattenbauten (Marzahn), Palast der Republik („Erichs Lampenladen“), Alexanderplatz als sozialistisches Musterbeispiel, Stasi-Zentrale, Paraden auf der Karl-Marx-Allee.
  • Symbolik: Die Mauer, Checkpoint Charlie, Spione, Agentenaustausch (Glienicker Brücke).

5. Kulinarische Traditionen (Die „Eckkneipe“)

Jenseits der großen Politik gibt es das volkstümliche Berlin.

  • Assoziationen: Molle (Bier) und Korn, Eisbein mit Sauerkraut, Bulette, Currywurst (spätere Erfindung, aber heute Tradition), Berliner Weiße (mit Schuss).
  • Orte: Die klassische Berliner Eckkneipe, dunkel vertäfelt, wo Arbeiter und Professor nebeneinander sitzen.

Zusammenfassung der „Geister“ Berlins

Wenn man es auf drei Begriffe bringen müsste, die das frühere Berlin ausmachen:

  1. Zackig (Preußen/Militär)
  2. Verrucht (20er Jahre/Nachtleben)
  3. Geteilt (Mauer/Kalter Krieg)

Beni Durrer

Entdecke die tiefen und persönlichen Einblicke von Beni Durrer – Unternehmer, Visagist und Gründer von BENI DURRER BEAUTY, der über sein Leben in Berlin, die gesellschaftlichen Veränderungen und seinen Neuanfang in der Schweiz spricht. Beni erzählt, warum Berlin in den 90er Jahren ein Traum für Kreativität, Freiheit und Vielfalt war, wie er die Stadt geliebt hat und welche Menschen, Orte und Freiheiten sie zu einem Zuhause machten. Gleichzeitig spricht er offen über die Entwicklungen, die Berlin für ihn unbewohnbar gemacht haben – Kriminalität, gesellschaftliche Brüche, Unsicherheit, sowie den Verfall der Infrastruktur. Er teilt persönliche Erfahrungen darüber, wie es ist, eine geliebte Stadt hinter sich zu lassen, was es braucht, um in einer neuen Umgebung wieder Fuß zu fassen, und warum Deutschland aus seiner Sicht dringend eine politische Wende braucht, um Recht, Ordnung und Sicherheit zurückzubringen.

00:00 Intro
01:26 Vorstellung Beni Durrer
03:40 Ist der Traumort noch zu erkennen?
08:26 Aufbruch nach Berlin: Freiheit und Möglichkeiten
14:39 Die homosexuelle Szene damals und heute
21:45 Berlin, es war einfach schön und ohne Angst
26:05 Heute habe ich Angst
39:45 Die Regierung ist überfordert
45:45 Wie sehen es die Berliner selber?
57:33 Machtwechsel aber wer?
01:03:00 Soziale Anreize sind zu verführerisch?
01:07:30 Die Deutschen geben ihre Kultur auf
01:12:50 Wir können mit diesem Irrsinn nicht mehr umgehen
01:17:55 Die Berliner tun mir leid
01:28:10 Die Schweiz, unsere neue Heimat
01:35:45 Abschluss

Quelle Titelbild: Bild von wal_172619 von Pixabay

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