Reinhard Lakomy (1946 – 2013) – Alles Stasi ausser Mutti

an den Folgen einer Krebserkrankung verstorben. Der Sänger und Komponist wurde mit „Der Traumzauberbaum“ berühmt.(23.03.2013)

Alles Stasi, außer Mutti (Songtext)

Auf einmal kommen sie daher,
so neugeborn und zeitenleer,
und wohnten doch im selben Haus,
warn Mauerstein des selben Baus.
Heut scheißen sie ins alte Nest,
und nehmen ihm den letzten Rest,
der Weg nach oben ist das wert,
erlaubt ist, was den Mann ernährt.Und alles warn nur die andern,
und das Leben ist jetzt tutti,
tittentutti, tittenfrutti,
alles Stasi, außer Mutti,
selber war man nur der Karren,
niemals war man Pferd,
so bleibt man stets unversehrt.
Und alles warn nur die andern,
und das Leben ist jetzt tutti,
tittentutti, tittenfrutti,
alles Stasi, außer Mutti,
selber war man immer nur,
der Zukunft zugewandt,
Deutschland, einig Vaterland.

Sie sind so krumm, wie opportun,
sie spiegeln sich in ihren Schuhn,
so stehn sie vor der neuen Tür
und zeigen ihre alte Kür:
Die Klinke greift man tief gebückt,
auf Knien wird sie herabgedrückt,
und auf dem Bauch zur Tür hinein,
tritt ein, tritt ein, bring Glück herein.

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Der Songtext „Alles Stasi, außer Mutti“ von Reinhard Lakomy übt Satire und Kritik am Opportunismus sowie an der Vergangenheitsbewältigung nach der Wende in Deutschland

„Alles Stasi, außer Mutti“ von Reinhard Lakomy ist eine bissige, satirische Abrechnung mit Opportunismus und der nachträglichen Verdrängung eigener DDR-Verantwortung. Der Text kritisiert Menschen, die sich nach dem politischen Umbruch plötzlich als unbeteiligte Opfer darstellen, obwohl sie zuvor Teil desselben Systems waren. Bilder wie „Mauerstein des selben Baus“ und das kriechende Öffnen der neuen Tür verspotten Anpassung, Karrierestreben und moralische Selbstentlastung. Die bewusst groteske Refrainformel verstärkt den ironischen Ton. „Mutti“ steht dabei sinngemäß für die familiäre oder persönliche Ausnahme: Schuld haben stets die anderen. Das Lied ist somit weniger eine historische Dokumentation als eine polemische Momentaufnahme der Nachwendezeit und ihrer Identitätskonflikte